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Neuerscheinungen zur Brüderbewegung 2020

Auch am Ende dieses Jahres möchte ich wieder die in den letzten zwölf Monaten erschienenen Veröffentlichungen zur Brüderbewegung übersichtlich zusammenzustellen und kurz kommentieren bzw. einordnen.

In die Bibliografie von 2019 habe ich inzwischen übrigens nicht weniger als 16 Nachträge aufgenommen: 11 Bücher (Cargill/Brown, Darby/Wigram, Ennis, Houston, Marzone, McLennan, Pickering, Riedel, Smith, Till, Yarrall) und 5 Aufsätze (Bauer/Metzger, King, Liese, Noble, Wilson). Auch in der Bibliografie von 2018 waren noch zwei Aufsätze nachzutragen (Jabini und Völkening).


BÜCHER


applebySusan Appleby: Search for a Soul. Oldbury, Australien (Linellen Press) 2020. 352 Seiten. ISBN 978-1-922343-27-7.

Ein weiterer Beitrag zum seit der Jahrtausendwende boomenden Genre der Raven-Taylor-Aussteigerliteratur. Im Falle der 1940 geborenen Engländerin Susan Appleby liegt der „Ausstieg“ allerdings bereits lange zurück: Sie wurde 1961 ausgeschlossen, weil sie sich in einer Zusammenkunft, in der über den Ausschluss ihrer Mutter verhandelt wurde, Notizen gemacht hatte und nicht bereit war, diese zu vernichten. (Ihr Vater war schon knapp zwei Jahre vorher ausgeschlossen worden, weil er sich weigerte, die außenstehende Person zu benennen, deren Spende die Heizung des Versammlungsraums finanziert hatte!) Die Erinnerungen an die Raven-Taylor-Zeit, bereits 1970 niedergeschrieben, nehmen etwa die Hälfte des Buches ein; die zweite Hälfte führt bis in die Gegenwart. Im Unterschied zu vielen anderen Aussteigern hat sich die Autorin nicht vom christlichen Glauben abgewandt, sondern gehört seit ihrer Heirat 1968 der anglikanischen Kirche an.


Ken Barrett (Hrsg.): En España por amor al Señor. 150 años del movimiento de los Hermanos. Madrid (Centro Evangélico de Formación Bíblica) 2020. 277 Seiten. ISBN 978-84-120474-2-4.

Eine Geschichte der Offenen Brüder in Spanien.


berthoudJean-Marc Berthoud: John Nelson Darby. L’essor d’un hérétique total. Lausanne (Éditions Messages) 2020. 162 Seiten. ISBN 978-0-244-87512-1.

Der Untertitel „Aufstieg eines totalen Irrlehrers“ macht bereits deutlich, dass es sich hier nicht um ein sachlich informierendes, sondern um ein kritisches, wenn nicht polemisches Werk handelt. Im Zentrum stehen John Nelson Darbys Jahre in Lausanne von 1840 bis 1845, wo er eine „radikale Neuorientierung des christlichen Glaubens“ herbeizuführen versucht habe und damit zum Wegbereiter Satans geworden sei. Der Autor selbst ist offenbar Calvinist oder reformierter Baptist. Als Anhang zu seinen etwa 70-seitigen Darlegungen druckt er auf ca. 30 Seiten übersetzte Auszüge aus Thomas Croskerys Catechism on the Doctrines of the Plymouth Brethren (1879) sowie einen kurzen eigenen Kommentar zu Römer 11 ab. Eine knapp 20-seitige systematische Bibliografie beschließt den Band.


siegfriedkollWolfgang Bühne: Siegfried Koll. Der verfolgte, aber nicht verlassene Deutsch-Chinese. Bielefeld (CLV) 2020. 154 Seiten. ISBN 978-3-86699-757-8.

Gustav und Lili Koll, ein deutsches Missionarsehepaar der Geschlossenen Brüder, adoptierten 1929 in China einen knapp zweijährigen Waisenjungen und gaben ihm den Namen Siegfried. Drei Jahre seiner Kindheit (1933–36) verbrachte er mit seiner Adoptivmutter in Deutschland. Als junger Erwachsener wurde er aus politischen Gründen verhaftet und kam während seiner zweijährigen Gefangenschaft zum Glauben. Nach der kommunistischen Machtübernahme mussten seine Adoptiveltern 1952 China verlassen, woraufhin Siegfried sich der Gemeinde von Wang Ming-Tao anschloss. 1958 wurde er um seines Glaubens willen erneut interniert und verbrachte die folgenden 20 Jahre in Arbeitslagern. 1978 entlassen, wandte er sich vollzeitlich der Evangelisation und Verkündigung zu. Mitte der 1980er Jahre kam er wieder mit den deutschen Geschlossenen Brüdern in Kontakt, die ihn fortan unterstützten. Er starb 2010.

Die Biografie ist lebendig und gut lesbar geschrieben und durch acht farbige Bildseiten angereichert. Den zweiten Teil des Buches bildet eine 42-seitige Abhandlung über „Christen in China – gestern und heute“. Laut Wolfgang Bühne sind aktuelle Meldungen über Christenverfolgungen in China oft übertrieben; Gemeinden, die in ihrer Verkündigung auf politische Themen verzichteten, bekämen „mit wenigen Ausnahmen keine Probleme“ (S. 129). Ein Exkurs über die um 1991 entstandene chinesische Sondergemeinschaft „Kirche des Allmächtigen Gottes“ und ein Text von Siegfried Koll selbst über die Situation der Hausgemeinden in Nordchina runden den Band ab.


Charles E. Cotherman: To Think Christianly. A History of L’Abri, Regent College, and the Christian Study Center Movement. Foreword by Kenneth G. Elzinga. Downers Grove, IL (InterVarsity Press) 2020. xvii, 305 Seiten. ISBN 978-0-8308-5282-6.

Von brüdergeschichtlichem Interesse ist vor allem Kapitel 2 über das von Offenen Brüdern gegründete Regent College in Vancouver.


Jean DeBernardi: Christian Circulations: Global Christianity and the Local Church in Penang and Singapore, 1819–2000. Singapur (National University of Singapore Press) 2020. xvi, 430 Seiten. ISBN 978-981-3251-09-0.

Auch wenn es aus dem Buchtitel nicht direkt hervorgeht, handelt es sich hier laut Verlagstext um eine „überregionale Geschichte der Brüderbewegung und ihrer Stellung in Singapur und Malaysia“. Die Autorin ist Professorin für Anthropologie an der Universität von Alberta (Kanada).


brethrenchurchNeil Dickson / T[homas] J[ohn] Marinello (Hrsg.): The Brethren and the Church. Studies in Brethren History. Glasgow (Brethren Archivists and Historians Network) 2020. xviii, 472 Seiten. ISBN 978-1-9160130-2-5.

Der sechste Band der Reihe Studies in Brethren History versammelt die Vorträge der BAHN-Konferenzen von 2017 und 2019:

Timothy C. F. Stunt: „The Early Ecclesiastical Identity of John Nelson Darby“ (S. 7–22)
Neil Summerton: „Was George Müller Brethren?“ (S. 23–46)
Ian Randall: „‘I felt bound to receive all true Christians as brethren’: The Expansive Ecclesiology of Andrew Jukes (1815–1901)“ (S. 47–62)
Elisabeth Wilson: „‘Gathering and Receiving’: A Reassessment of the Role of Rice Thomas Hopkins in Australia“ (S. 63–77)
Roger N. Holden: „The Chicago Notes Controversy: James Taylor and Developing Views of the Assembly amongst the Exclusive Brethren“ (S. 79–101)
James I. Fazio: „The Elements and Ordinances of Proto-Brethren Assemblies, 1818–20“ (S. 105–115)
Crawford Gribben: „Brethren and the Legacy of the Reformation“ (S. 117–138)
David A. Smith: „Brethren Ecclesiology in Historical Perspective“ (S. 139–153)
Tim Grass: „What’s in a Name? Theology and the Names of Brethren Places of Worship“ (S. 155–165)
Mark R. Stevenson: „The Office of the Elder in Brethren History“ (S. 167–183)
Neil Summerton: „Charisma and Organization: An Unresolved Theological Tension in the Open Brethren“ (S. 185–200)
Neil Dickson: „The Body and the Circle: Church Metaphors in the Open Brethren“ (S. 201–215)
Peter Conlan: „‘What are you doing for Christ in Birmingham?’ The History, Strategy, and Legacy of a Missional Brethren Assembly Founded by Alexis Jacob in 1924“ (S. 217–227)
Tim Grass: „Ecclesiology in a Hostile Environment: Brethren in Franco’s Spain“ (S. 229–243)
Elisabeth Wilson: „‘A revolution in thought and practice’: The Reconciliation of the Hopkins and Open Meetings in Australia, 1950s–1960s“ (S. 245–257)
T[homas] J[ohn] Marinello: „New Brethren in Flanders: Changing Views of Their Identity“ (S. 259–274)
Neil Dickson: „‘Sweet feast of love divine’: The Lord’s Supper in Brethren History“ (S. 277–306)
Mark R. Stevenson: „The Language of Worship: Brethren Use of the Song of Solomon“ (S. 307–321)
Neil Summerton: „Charisma and Organization: Institutionalism in the Open Brethren in the United Kingdom“ (S. 323–349)
Roger Shuff Yatol: „Romantic Expressions: Brethren and the Value of Art“ (S. 351–370)
Jean DeBernardi: „Startling, Stubborn Things: Prayer and the Ministry of Deliverance in China and Southeast Asia“ (S. 371–387)
Roger N. Holden: „Household Baptism, not Infant Baptism: Taylorite Exclusive Brethren and Baptism“ (S. 389–412)
Kenneth B. E. Roxburgh: „Preaching among the Open Brethren in the Mid-Twentieth Century“ (S. 413–426)
T[homas] J[ohn] Marinello: „Opening of the Closed: The Worldwide Breakup of the Kelly-Lowe-Continental Brethren at the End of the Twentieth Century“ (S. 427–448)
Peter Lineham: „Open Worship and its Decline: Changes in Brethren Identity in New Zealand“ (S. 449–472)

Von den zahlreichen interessanten Aufsätzen dieses Bandes möchte ich insbesondere den vorletzten hervorheben, in dem die internationale Spaltung der Kelly-Lowe-Continental-Brüder (in Deutschland als Geschlossene Brüder oder „Alte Versammlung“ bekannt) in den 1990er Jahren erstmals akademisch untersucht wird. Marinello unterscheidet metaphorisch drei Phasen: „The gathering storm“ (umstrittene Ausschlüsse in Deutschland, den USA und Frankreich ab 1985), „The rumble of thunder“ (umstrittener Ausschluss in Den Helder 1990, Vorgänge in Lofer 1991 u.a.) und „The storm strikes“ (Trennungsbrief aus Den Helder 1995 mit den weltweiten Folgen). Dass sich in Deutschland ca. 30 % von den Geschlossenen Brüdern gelöst hätten (S. 447), ist wohl etwas zu hoch gegriffen.


kgsloanKlaus Güntzschel (Hrsg.): William Gibson Sloan. Einer geht hin – Erweckung auf den Färöern. Lychen (Daniel) 2020. 111 Seiten. ISBN 978-3-945515-38-9.

Der Schotte William Gibson Sloan (1838–1914) gilt als Begründer der (Offenen) Brüderbewegung auf den Färöer-Inseln. Seine 1865 begonnene Evangelisationsarbeit führte dazu, dass die Färöer heute den weltweit größten „Brüder“-Anteil an der Gesamtbevölkerung aufweisen (je nach Quelle zwischen 7 und 15 %). 1993 erschien in einem färöischen Verlag eine ca. 270-seitige englischsprachige Biografie Sloans (Fisherman of Faroe von Fred Kelling), die für das vorliegende Buch „zunächst übersetzt, dann aber komplett überarbeitet und in diesem Zuge stark gekürzt“ wurde (S. 10). Der Band erhebt keinen wissenschaftlichen Anspruch, sondern verfolgt in erster Linie praktisch-erbauliche Ziele. Durch das große Format und die zahlreichen Illustrationen – darunter viele eigens angefertigte Landschaftsaufnahmen von den Färöern – wirkt er streckenweise fast wie ein Bildband.


William Hall: Critique Of The Brethren. An examination of ‘Scripturally’ claims for Scriptural practices. How Biblical are Brethren claims Regarding Assembly Distinctive And Principles of Gathering? [sic] Ohne Ort (Selbstverlag/Amazon) 2020. 108 Seiten. ISBN 979-8-68314774-7.

Vorschläge zu einer Reform der Offenen Brüdergemeinden, zuerst vorgetragen auf der National Elders and Workers Conference in Kingston, Jamaika im Juni 1991 (daher der Umschlagtitel Looking In-depth at The Brethren Movement in Jamaica 1991).


Patricia Hazell: The Kennard Story. [North Manly, Australien] (Selbstverlag) 2020. 120 Seiten.

Die englische Familie Kennard, die bereits zu Darbys Lebzeiten den Geschlossenen Brüdern und später den Raven-Brüdern angehörte, wanderte 1911/13 nach Australien aus. Das Buch zeichnet ihre Geschichte von Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart nach, einschließlich der Raven’schen Spaltungen, die sich auch auf die Familie auswirkten. Die Autorin ist Familienmitglied, wuchs aber nicht mehr unter den „Brüdern“ auf.


Robert Plant (Hrsg.): They Finished Their Course. Volume 5. Kilmarnock (Ritchie) 2020. 711 Seiten. ISBN 978-1-912522-93-4.

Kurzbiografien von fünfzig in den 2010er Jahren verstorbenen (konservativen) Offenen Brüdern, darunter David W. Gooding (S. 193–205) und Harold S. Paisley (S. 457–467), ergänzt durch vier Nachträge aus früheren Jahrzehnten.


Jessie Shedden: These Boots Were Made For Walking. Ohne Ort (Selbstverlag/Amazon) 2020. xiii, 157 Seiten. ISBN 979-8-68367-306-2. — Überarbeitete Ausgabe: Tomorrow’s Not Promised. Ohne Ort (Selbstverlag/Amazon) 2020. xxvii, 223 Seiten. ISBN 979-8-69848324-3.

Die jüngste Raven-Taylor-Aussteigerbiografie stammt auch von der bisher jüngsten Autorin: Die 1986 geborene Engländerin Jessie Shedden verließ die Raven-Taylor-Symington-Hales-Brüder erst Ende 2017. Nach Teilnahme an einem Kurs „40 Days to a Finished Book“ schrieb sie ihr Buch in 40 Tagen, brachte jedoch bereits einen Monat später unter neuem Titel eine überarbeitete und erweiterte Version davon heraus. Es bietet den wohl aktuellsten Einblick in das Innenleben dieser Randgruppe der Brüderbewegung.


stuecherHelmut Stücher [Hrsg.]: Das „Judenbuch“ in der Nazizeit. Erinnerungen eines Nichtwählers. Norderstedt (BoD) 2020. 179 Seiten. ISBN 978-3-7504-5263-3.

Wilhelm Stücher (1898–1969) war einer der bekanntesten Gegner des BfC und einer der wenigen „Brüder“, die den antichristlichen Charakter des NS-Regimes deutlich erkannten. Etwa ein Jahr vor seinem Tod besprach er ein Tonband mit Erinnerungen an die Zeit des Versammlungsverbots. Sein Sohn Helmut (* 1933) transkribierte und überarbeitete die Aufzeichnungen und ergänzte sie um einige Briefe und Dokumente. Unter dem Titel „Erinnerungen eines Nichtbündlers“ (aus der Nazizeit) kursiert dieses Typoskript seither vor allem in Kreisen der Geschlossenen Brüder und wurde auch von Historikern wiederholt als Quelle herangezogen.

Dass diese Erinnerungen nun – über 50 Jahre nach ihrer Niederschrift – erstmals auch in Buchform zugänglich gemacht werden, ist grundsätzlich verdienstvoll. Allerdings löst bereits der Umschlag Verwunderung aus: Offenbar meinte der Herausgeber einen für eine breitere Leserschaft verständlichen Titel finden zu müssen und ersetzte daher „Nichtbündler“ durch „Nichtwähler“ – das war Wilhelm Stücher sicher auch, aber es ist kaum das Hauptthema des Buches. Auch das in den Obertitel gesetzte Wort „Judenbuch“ (gemeint ist die Bibel) kommt in Stüchers Erinnerungen nur an einer einzigen Stelle vor, nämlich auf S. 24 (Typoskript S. 10). Befremdlich wirkt außerdem, dass der Name Wilhelm Stücher auf dem Titelblatt überhaupt nicht auftaucht, sondern Helmut Stücher als Autor firmiert – erst im Vorwort (S. 7) erfährt der Leser, dass es sich um die Erinnerungen seines Vaters handelt.

Das Vorwort wirft noch weitere Fragen auf. Im Originaltyposkript endete es mit folgendem Absatz (Fettdruck hinzugefügt):

Allerdings bedurften die Erzählungen, wie sie aufgezeichnet waren, einer Überarbeitung, was ich jüngst übernommen habe. Dabei konnte ich aus den noch vorhandenen Korrespondenzen aus jener Zeit Ergänzungen einfügen. Es erschien mir im Interesse eigener Urteilsbildung nützlich, von meinem Vater angeführte Briefe und Schriften zum Teil wörtlich wiederzugeben, wodurch m.E. dem Leser ein objektiverer Einblick in die Entwicklung der Dinge gegeben wird, wie sie durch das Aufkommen und Wirken des nationalsozialistischen Geistes im Kreise der „Brüder“ bestimmt wurde.

In der Buchfassung heißt es stattdessen lapidar:

Diese Memoiren sind auf Tonband gesprochen worden und später davon abgeschrieben, so daß es sich um das gesprochene Wort handelt, das nicht mehr überarbeitet wurde.

Das ist nicht nur eine erhebliche Verkürzung, sondern im Grunde eine Verkehrung ins Gegenteil: „Bedurften die Erzählungen“ nun „einer Überarbeitung“, die der herausgebende Sohn auch vornahm, oder wurde „das gesprochene Wort […] nicht mehr überarbeitet“? Dem Originaltyposkript wird man sicher mehr Glauben schenken dürfen als einem Nachdruck nach über 50 Jahren, und tatsächlich klingt der Text auch kaum wie eine wortwörtliche Mitschrift, aber warum dann diese Änderung im Vorwort?

Abweichungen vom Typoskript finden sich auch im Hauptteil des Buches gelegentlich. Manche davon beruhen vermutlich auf Abschreibversehen (z.B. „wichtig“ statt „richtig“, S. 12; „Am nächsten Morgen“ statt „Am nächsten Mittag“, S. 22; „sehen“ statt „stehen“, S. 60; „in einer Brüderversammlung“ statt „in einer großen Brüderversammlung“, S. 94; „wollten“ statt „sollten“, S. 127 [zweimal]; „am Vortag“ statt „am Vormittag“, S. 154; „im kleineren Kreis“ statt „im kleinsten Kreis“, S. 164), bei anderen ist die erneut eingreifende Hand eines Überarbeiters zu erkennen (z.B. „Gesprächen am Mittagstisch“ statt „Mittagstischgesprächen“, S. 20; „der Mitunterzeichner Ihres Briefes“ statt „der Bruder, dessen Namen ich aus der Unterschrift als Mitunterzeichner Ihres Briefes nicht entnehmen kann“, S. 16). An mindestens zwei Stellen sind mir Zusätze in Klammern aufgefallen, die im Typoskript keine Grundlage haben („Helmut geb.“, S. 19; „Bordellbesuch“, S. 91).

Der gravierendste, kaum zu entschuldigende Mangel des Buches besteht allerdings darin, dass dem Herausgeber gar kein vollständiges Exemplar des Typoskripts mehr vorlag. An zwei Stellen der Erinnerungen sollten externe Dokumente eingefügt werden (S. 27: Kietzells Betrifft: Christen ohne Sonderbekenntnis; S. 53: Brief Darbys über die Beteiligung an Wahlen), die hier aber fehlen, da der Herausgeber sie (wie er vermutet) verliehen und nicht wieder zurückbekommen hat. (Dafür ist auf S. 63–66 die Barmer Erklärung abgedruckt, die Wilhelm Stücher nirgendwo erwähnt.) Ohne jede Begründung fehlt außerdem die letzte Seite des Typoskripts (96) – man wird wahrscheinlich davon ausgehen können, dass dies dem Herausgeber gar nicht bewusst war. Dadurch enden die Erinnerungen recht abrupt („Anschließend an die Gerichtsverhandlung kamen wir in meinem Hause mit noch anderen Geschwistern aus dem Dillkreis zusammen“), und es wirkt nachvollziehbar, dass der Herausgeber zur Abrundung noch ein eigenes Nachwort angehängt hat. Den Text der ursprünglichen Seite 96 stelle ich hier zum Download zur Verfügung.

Wilhelm Stüchers Erinnerungen eines Nichtbündlers sind eine wichtige Quelle zur Geschichte der Brüderbewegung im Dritten Reich. Die vorliegende Edition genügt den Ansprüchen einer Leseausgabe (wenn man das Fehlen der letzten Seite verschmerzen kann), ist aufgrund der beschriebenen Ungenauigkeiten aber wissenschaftlich wohl nicht zitierfähig.


stunttregellesTimothy C. F. Stunt: The Life and Times of Samuel Prideaux Tregelles. A Forgotten Scholar. Christianities in the Trans-Atlantic World. Cham (Palgrave Macmillan) 2020. xviii, 282 Seiten. ISBN 978-3-030-32265-6.

Samuel Prideaux Tregelles (1813–1875) kommt in jeder Brüdergeschichte vor und ist auch für die Geschichte der neutestamentlichen Textkritik bedeutsam, doch über sein Leben war bisher relativ wenig bekannt. Timothy Stunt hat diese Lücke nun überzeugend geschlossen. In gewohnt akribischer Manier verfolgt er Tregelles’ Weg von seiner Kindheit in einer Quäkerfamilie Cornwalls über seine autodidaktische Bildung in Wales und seine Forschungsreisen auf den europäischen Kontinent bis hin zu seinem krönenden Lebenswerk, einer 7-bändigen Ausgabe des griechischen Neuen Testaments. Auch seinem Verhältnis zu den „Brüdern“, denen er sich 1835 anschloss, wird gebührende Aufmerksamkeit geschenkt. Tregelles stellte sich bei der Spaltung von 1845 bekanntlich auf die Seite seines Freundes Benjamin Wills Newton und hielt diesem bis an sein Lebensende die Treue. Als Newton 1847 Plymouth verließ, blieb Tregelles in dessen Gemeinde (Ebrington Street, später Compton Street), die aber in den folgenden Jahren ihren „Brüder“-Charakter mehr und mehr verlor. 1863 stellte sie – mit Tregelles’ Zustimmung – einen gewissen William Elliot als Pastor an, doch dieser erwies sich mit der Zeit als so dominant und unbeherrscht, dass Tregelles und etliche andere 1866 die Gemeinde verließen. Ob er danach der presbyterianischen oder der anglikanischen Kirche beitrat (für beides gibt es Hinweise), kann auch Stunt nicht mit Bestimmtheit sagen. In jedem Fall wird sein Buch für viele Jahre das Standardwerk über Tregelles bleiben.


AUFSÄTZE


bhr2018Ausgabe 16 (2020) der Brethren Historical Review enthält (neben etlichen Rezensionen) die folgenden Beiträge:

(Timothy C. F. Stunt:) „Early Brethren as Observed by an Outsider, c. 1838“ (S. 1–4)
Neil Summerton: „Porous Frontier or Hard Border? George Müller and Brethren Identity“ (S. 5–32)
Gordon W. Simmonds: „Science and Medicine in the Exclusive Brethren“ (S. 33–41)
Timothy C. F. Stunt: „John Townsend Trench (1834–1909)“ (S. 42–51)
Neil Dickson: „‘With hesitating heart’: William Blane (1858–1936)“ (S. 52–91)
Christina Evangelina Lawrence: „Thomas Baird (1861–1932): Advocate of Mission“ (S. 92–115)
Roger Shuff Yatol: „In Ruskin’s Shadow: Darbyite Brethren in Coniston 1895–1975“ (S. 116–138)
P[aul] David Wilkin: „Dr Walter Fisher, an Ilomba, and the Spanish ’Flu Pandemic“ (S. 139–157)
Michael Schneider: „New Writing on Brethren History“ (S. 158–161)
Doug Engle: „Robert Henry Baylis (1924–2020)“ (S. 198–201)
Neil Summerton: „Brian Stanley Mawhinney (Lord Mawhinney of Peterborough) 1940–2019“ (S. 202–208)
Peter Conlan: „Peter Maiden 8 April 1948 – 14 July 2020“ (S. 209–215)


Howard A. Barnes: „William Henry Bennet (1843–1920)“. In: Precious Seed 75 (2020), Heft 3, S. 26.

Kurzes Lebensbild zum 100. Todestag von William Henry Bennet, der von 1891 bis zu seinem Tod Mitherausgeber von Echoes of Service war (auch online).


Howard A. Barnes: „Charles Henry Mackintosh“. In: Precious Seed 75 (2020), Heft 4, S. 15.

Kurzes Lebensbild zum 200. Geburtstag des bekannten Geschlossenen Bruders (auch online). Dass Mackintosh sich „in den letzten 15 Jahren seines Lebens nicht an den Spaltungen und lehrmäßigen Turbulenzen unter den exklusiven Versammlungen beteiligt“ hätte, kann man so wohl nicht stehen lassen – er war ein entschiedener Kritiker Grants und Stuarts (vgl. Noel, Bd. 2, S. 440f.) und bekanntlich auch ein Verteidiger Ravens.


Ulrich Brockhaus: „150 Jahre Elberfelder Bibel: Unbestechlich texttreu“. In: ideaSpektrum Spezial 6/2020 – lesen, hören & sehen (Einhefter in ideaSpektrum 41/2020), S. 12–14.

Die erste Gesamtausgabe der Elberfelder Bibel erschien zwar erst 1871, aber die Arbeit daran wurde bereits 1870 (also vor 150 Jahren) abgeschlossen, deshalb bat die Nachrichtenagentur idea den früheren Verleger und führenden Revisionsmitarbeiter Dr. Ulrich Brockhaus um einen Beitrag über Geschichte und Besonderheiten dieser Bibelübersetzung. Abonnenten von ideaSpektrum können den Beitrag auch online lesen. Zusätzlich produzierte idea ein dreiminütiges Video mit Ulrich Brockhaus zu diesem Thema.


Wolfgang Bühne: „50 Jahre ‚fest und treu‘“. In: fest und treu 172 (4/2020), S. 12f.

Mit etwas Verspätung (die ersten Ausgaben von fest und treu bzw. dem Vorläufer Bibelkurs erschienen bereits 1968) zeichnet der Schriftleiter hier knapp die Geschichte der Zeitschrift nach (auch online: siehe rechts das Dropdown-Menü „Dokumente zum Artikel“ – Direktverlinkungen auf PDF-Dateien sind seit dem letzten Relaunch der CLV-Website leider nicht mehr möglich!).


Sam Cairns: „Report: Gospel Folio Press. Port Colborne, Ontario, Canada“. In: Cornerstone 4 (2020), Heft 3, S. 8f.

Kurze Geschichte des kanadischen Verlags Gospel Folio Press, der den konservativen Offenen Brüdern zugerechnet wird (auch online).


Bernard Doherty: „Back at the Bar: Charity Law, Public Benefit, and a Case of Legal déjà vu for the Exclusive Brethren“. In: The Status of Religion and the Public Benefit in Charity Law. Hrsg. von Barry W. Bussey. London (Anthem Press) 2020. S. 101–126.

Im Juni 2012 verweigerte die Charity Commission for England and Wales einer Stiftung der Raven-Taylor-Symington-Hales-Brüder in Devon die Anerkennung als gemeinnützig. Nach einer heftigen politischen Kontroverse und internen Verhandlungen wurde die Entscheidung im Januar 2014 revidiert. Der Artikel untersucht diese Vorgänge und vergleicht sie mit einem früheren Rechtsstreit, in den die Raven-Brüder verwickelt waren (Holmes v Attorney General, 1981).


James I. Fazio: „Dispensational Thought as Motivation for Social Activism among Early Plymouth Brethren“. In: Journal of Ministry & Theology 24 (2020), Heft 1, S. 91–107.

Wie der Titel bereits andeutet, ist Fazio der Auffassung, dass das Motiv für soziale Aktivitäten der frühen „Brüder“ ihr Dispensationalismus gewesen sei. Als Beispiele nennt er die Missionsarbeit von Groves, Cronin und Parnell in Bagdad, die Evangelisationsarbeit von Deck in Neuseeland und die Gemeinde- und Waisenhausarbeit von Müller und Craik in Bristol (auch online).


Liselotte Frisk: „Plymouth Brethren Christian Church“. In: The SAGE Encyclopedia of the Sociology of Religion. Hrsg. von Adam Possamai und Anthony J. Blasi. Thousand Oaks, CA (SAGE Publications) 2020. Bd. 2, S. 583f.

Lexikonartikel über die Raven-Taylor-Symington-Hales-Brüder aus religionssoziologischer Sicht. Die Darstellung ist betont sachlich und neutral; jede Form von Kritik wird vermieden.


Tim Grass: „150 años de las Asambleas de Hermanos en España“. In: Edificación Cristiana 294 (Mai–August 2020), S. 27–31;  295 (September–Oktober 2020), S. 21–24.

Kurzer Überblick über die Geschichte der Offenen Brüder in Spanien.


James Craig Holte: „John Nelson Darby and Dispensationalism“. In: Imagining the End. The Apocalypse in American Popular Culture. Hrsg. von James Craig Holte. Santa Barbara, CA (ABC-Clio) 2020. S. 65f.

Im Ganzen seriöser Lexikonartikel über Darby und den Einfluss seines Dispensationalismus auf populäre amerikanische Endzeitvorstellungen. Einige Behauptungen sind zweifelhaft (z.B. dass Darby die Erfindung des Telegrafen 1844 als Zeichen der Endzeit angesehen hätte) oder direkt falsch (z.B. dass Darby die doppelte Prädestination oder die sieben Dispensationen Scofields gelehrt hätte).


Thomas D. Ice: „The Calvinist Heritage of Dispensationalism“. In: Interdisciplinary Journal on Biblical Authority 1 (2020), Heft 2, S. 119–134.

Ice will aufzeigen, dass die frühen Dispensationalisten – darunter auch die „Brüder“ Darby und Bellett – Calvinisten gewesen seien. Vermutlich identisch mit einem älteren Artikel von ca. 2009.


Jan Jensen: „Christianity, Presence, and the Problem of History: On two forms of Christian temporality in the Faroe Islands“. In: Suomen Antropologi: Journal of the Finnish Anthropological Society 45 (2020), Heft 2, S. 3–16.

Untersuchung zum Zeit- und Geschichtsverständnis einer Pfingstgemeinde und einer Brüdergemeinde auf den Färöern (auch online).


Steve Knowles: „The Plymouth Brethren Christian Church, Media Engagement and Public Benefit“. In: Ecclesial Practices 7 (2020), S. 101–116.

Nachdem einer Stiftung der Raven-Taylor-Symington-Hales-Brüder 2012 die Gemeinnützigkeit aberkannt worden war (siehe oben unter Doherty), starteten diese eine beispiellose PR-Offensive, um ihre Gemeinnützigkeit unter Beweis zu stellen. Der Artikel untersucht die zu diesem Zweck eingegangene Zusammenarbeit mit den Mainstream-Medien.


Andreas Liese: „‚Unsere Heimath ist droben‘. Heimat und Fremde in den Geschlossenen Brüdergemeinden“. In: Zeitschrift für Theologie und Gemeinde 25 (2020), S. 209–232.

Eingehende Analyse der Haltung der (englischen und deutschen) Geschlossenen Brüder zur „Welt“ (Absonderung, Politikabstinenz, Himmelsbürgertum usw.). Herangezogen werden Texte von John Nelson Darby bis Ernst-August Bremicker.


Simone Maghenzani: „The English and the Italian Bible“. In: British Protestant Missions and the Conversion of Europe, 1600–1900. Hrsg. von Simone Maghenzani und Stefano Villani. Routledge Studies in Early Modern Religious Dissents and Radicalism. New York / London (Routledge) 2021. S. 102–118.

Wiederholte Verweise auf „Brüder“, u.a. auf Piero Guicciardini (1808–1886).


Gabriele Naujoks: „David Gooding (1925–2019). Bibellehrer und Gelehrter“. In: Zeit & Schrift 23 (2020), Heft 1, S. 20–27.

Lebensbild des bekannten Alttestamentlers, der den Offenen Brüdern angehörte und viel mit John Lennox zusammenarbeitete (auch online).


Thomas Riedel: „Es ging zuerst um Gott und sein Wort. Akademisches Aufbauprogramm und Masterarbeit an der Universität von Südafrika unter Wiedenester Begleitung“. In: Offene Türen 112 (2020), Heft 4, S. 25.

Bericht über die Masterarbeit Entstehung und Entwicklung der „Elberfelder Bibel“ (Neues Testament) von der Erstübersetzung bis heute (vgl. Neuerscheinungen 2019).


Berthold Schwarz: „John Nelson Darbys Einfluss auf die Schriftauslegung in konfessionell evangelikal geprägten (Frei-)Kirchen und Gemeinden. Ein Versuch, Zusammenhänge zu verstehen“. In: Freikirchenforschung 29 (2020), S. 129–147.

Aufgrund des Obertitels könnte man eine Untersuchung darüber erwarten, welche Kirchen und Freikirchen in welchem Maße von Darbys Theologie beeinflusst wurden, aber tatsächlich handelt es sich um eine (wohlwollende) Analyse und Einordnung von Darbys Theologie selbst, speziell seines Dispensationalismus.


Manuel Seibel: „Ein Leben für seinen Meister. Henry Allan Ironside – auf dem Weg zum Herrn Jesus“. In: Folge mir nach [28] (2020), Heft 4, S. 22–26; Heft 5, S. 22–27.

Zweiteiliges Lebensbild mit praktisch-erbaulichen Nutzanwendungen (auch online: Teil 1, Teil 2). Ironsides Verbindung mit den Offenen Brüdern und sein Pastorenamt an der Moody Church werden erwartungsgemäß kritisch gesehen.


(Rebecca Styler:) „Brethren“. In: Nineteenth-Century Religion, Literature and Society. Hrsg. von Naomi Hetherington. Volume I: Traditions. Hrsg. von Rebecca Styler. Abingdon / New York (Routledge) 2020. S. 197f.

Der Band versammelt Primärtexte zu Religion, Literatur und Gesellschaft des 19. Jahrhunderts. Für den Abschnitt 6.1 „Brethren“ (S. 199–207) wurden Auszüge aus Darbys Reflections on the Ruined Condition of the Church (1841) und Groves’ bekannter Brief an Darby (1836) ausgewählt; vorangestellt ist eine Einleitung der Herausgeberin.


Für Hinweise auf weitere, von mir übersehene Neuerscheinungen bin ich dankbar!

200. Geburtstag von William Collingwood

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William Collingwood (1819–1903)

Besuchern der Website bruederbewegung.de ist der Name William Collingwood bestens bekannt: Seine Broschüre The Brethren: A Historical Sketch (1899), eine wichtige Darlegung des „offenen“ Standpunkts, gehört bereits seit dem ersten Tag zu unserem Download-Angebot (im „Brethren Archive“ gibt es inzwischen auch ein Faksimile des Originals).1 Größere Werke scheint Collingwood nicht publiziert zu haben (das CBA nennt nur noch das Büchlein Man’s Future, in God’s Word [1871] und zwei Separatdrucke von Zeitschriftenaufsätzen); sein Schwerpunkt lag auf einem anderen – und für „Brüder“-Kreise eher ungewöhnlichen – Gebiet: Er war Künstler, vor allem Aquarellmaler. Als solcher genießt er auch in säkularen Kreisen noch eine gewisse Bekanntheit; so ist ihm und drei weiteren Künstlern aus seiner Verwandtschaft die Website Collingwood Art gewidmet, auf der sich u.a. ein Lebensbild und auch einige Gemälde von ihm befinden.

Leben

Anstelle einer eigenen biografischen Skizze zitiere ich hier den von Roy Coad verfassten Artikel aus dem Blackwell Dictionary of Evangelical Biography:

Collingwood, William (b. Greenwich, London, 23 April 1819; d. Bristol, England, 25 June 1903). Watercolourist and Brethren leader. Grandson of Samuel2, printer to Oxford University. Collingwood was educated privately and at the Cathedral School, Oxford. He specialized in ‘baronial interiors’ and in landscape (especially mountain scenery, his chief love). In 1839 he settled in Liverpool, where he became a member of the academy, and was elected to the Royal Society of Painters in Watercolours in 1855. In 1844 he started a Brethren congregation, later building them a hall, and leading them for forty years. A close friend of George Müller, he moved to Bristol in 1890, becoming a member of the Bristol Academy. He was a friend of John Ruskin, his son being Ruskin’s private secretary and biographer; his grandson was R. G. Collingwood, the Oxford philosopher and archaeologist.3

Einige weitere Einzelheiten aus Collingwoods Leben überliefert das anonyme Kapitel über ihn in Henry Pickerings Chief Men among the Brethren. Erwähnenswert ist, dass er mit einer deutschsprachigen Schweizerin verheiratet war, nämlich mit Marie Elisabeth Imhoff (* 11. Juni 1826; † 16. Mai 18734), der Tochter eines Notars aus Arbon am Bodensee (Thurgau). Sie hatten die drei Kinder William Gershom (1854–1932), Sophia Ruth (1856–1937) und David (1858–1899).5

Nachruf

Collingwoods Tod im Jahr 1903 fand in den Zeitungen erstaunlich wenig Beachtung. Ich gebe hier einen (leider schwer lesbaren) Nachruf aus der Yorkshire Post wieder:

1903-07-03 The Yorkshire Post 8 Obituary (Collingwood)
The Yorkshire Post, 3. Juli 1903, S. 8

100. Todestag von Edward Kennaway Groves

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Edward Kennaway Groves (1836–1917)

Im Gegensatz zu seinem Vater Anthony Norris Groves ist Edward Kennaway Groves nicht übermäßig bekannt – am ehesten vielleicht noch als Autor des Buches Conversations on “Bethesda” Family Matters (1885). Um als geistliches Vorbild oder als “Chief Man among the Brethren” verehrt zu werden, war er wohl psychisch zu labil und theologisch zu unberechenbar; sein Leben weist einige Brüche auf und hat etwas Tragisches an sich, aber gerade das macht ihn vielleicht interessanter und sympathischer als so manchen „Glaubenshelden“, dessen Leben glatt und ohne große Schwierigkeiten verlief.

Edward Kennaway Groves wurde am 11. August 1836 in der indischen Stadt Madras geboren, wo sein Vater als Missionar tätig war. Im Alter von 7½ Jahren schickte man ihn zur Ausbildung nach England; er besuchte verschiedene Schulen und studierte 1852 am Londoner Royal College of Chemistry. Nach dem Tod seines Vaters kehrte er 1853 nach Indien zurück und widmete sich knapp 20 Jahre lang – teils gemeinsam mit seinen Halbbrüdern Henry und Frank – verschiedenen geschäftlichen Unternehmungen (u.a. Zuckerraffinerie, Landmaschinenreparatur). Infolge einer wirtschaftlichen Krise erlitt er 1872 jedoch einen Nervenzusammenbruch, der die Behandlung in einer Heilanstalt notwendig machte.

Nach seiner Genesung übersiedelte Groves 1874 mit seiner Familie – er war seit 1864 mit Isabella geb. Reeve verheiratet und hatte drei Kinder – dauerhaft nach England. Er ließ sich in Bristol nieder, trat der bekannen Bethesda Chapel seines Onkels Georg Müller bei, freundete sich mit dessen Mitarbeiter George Frederic Bergin (1843–1912) an und stieg bald auch selbst in den Leitungskreis von Bethesda auf. Um neuen Mitgliedern die Grundsätze der Gemeinde nahezubringen, begann er 1879 mit der Arbeit an seinem bereits erwähnten Buch Conversations on “Bethesda” Family Matters. Das letzte Kapitel über die Trennung von 1848 setzte seiner psychischen Gesundheit jedoch wieder derart zu, dass er 1880 zweimal in eine Heilanstalt eingewiesen werden musste, beim zweiten Mal für fast ein ganzes Jahr. Die Conversations on “Bethesda” Family Matters konnten – mit Zustimmung Georg Müllers – 1885 zwar noch erscheinen, aber das Stigma des “certified lunatic” (etwa: beglaubigten Geisteskranken) sollte Groves bis zum Ende seines Lebens anhaften.

1889 kam es zu einem ersten Zerwürfnis mit Bethesda, weil die Gemeindeleitung die von Groves’ Tochter Constance gewünschte Auflösung ihrer Verlobung nicht akzeptieren wollte. Groves nahm vorerst weiter an den Zusammenkünften teil, hielt sich aber mit Wortbeiträgen zurück und veröffentlichte stattdessen eine Reihe von Schriften mit zunehmend unorthodoxem Inhalt (u.a. Leugnung der Unsterblichkeit der Seele und der prämillennialen Wiederkunft Christi, Forderung nach Ausweitung der Dienste von Schwestern). Dadurch brachte er die Leitung von Bethesda endgültig gegen sich auf und wurde 1900 aus der Gemeinde ausgeschlossen.

Auf der Suche nach einer neuen geistlichen Heimat wandte sich Groves der Highbury Congregational Church in Bristol zu, der er bis zu seinem Lebensende verbunden blieb, ohne allerdings Mitglied zu werden. 1904 fasste er seine neueren Schriften in dem Band The Key of Knowledge And How to Use It zusammen, in dessen Anhang er auch einige Dokumente seiner Auseinandersetzungen mit Bethesda abdruckte. 1906 folgte George Müller and his Successors, ein im Wesentlichen autobiografisches Buch, das stellenweise jedoch auch Züge einer Abrechnung hat, insbesondere mit Müllers Nachfolgern James Wright (1825–1906) und George Frederic Bergin, seinem früheren Freund.

Edward Kennaway Groves starb am 16. Februar 1917, heute vor 100 Jahren, in seinem Haus in Bristol und wurde drei Tage später beigesetzt. Über sein Leben und Werk liegt ein 26-seitiger Artikel von John Owen (Brethren Historical Review 2011) und ein 210-seitiges, sehr lesenswertes Buch vom selben Autor vor (Tentmaker Press 2012).

1917-02-17 The Western Daily Press 8 Deaths (E K Groves)
The Western Daily Press, 17. Februar 1917, S. 8, Deaths

Ein weiterer Nachruf auf Henry Craik

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Henry Craik (1805–1866)

Als letzter Beitrag in der Reihe über Henry Craik folgt hier noch ein Nachruf, der heute vor 150 Jahren in der Zeitung The Bristol Mercury erschien.1 Im Vergleich zu den eher allgemein gehaltenen Lobeshymnen in der Western Daily Press entwirft er ein wesentlich lebendigeres und differenzierteres Bild Craiks (einschließlich einiger Schwächen). Der Verfasser war Richard Morris (1813–1894), Baptistenpastor an Craiks Wohnort Clifton.

IN MEMORIAM.
THE REV. HENRY CRAIK.
By the Rev. R. Morris, Clifton.

Scotland has seldom given to the south a richer gift than that received in the life and character of Henry Craik. Scotch adventurers may be found everywhere, while her sons of toil, genius, and culture adorn every land; but in the career of our deceased fellow-citizen we have lost one whose adventurous spirit was controlled by a deep-toned piety, and whose ripe scholarship and unadorned eloquence of life and tongue made his presence amongst us of incalculable worth. Happily, in his case, he was a man of appreciated goodness and felt power. He was the last to desire a complimentary epitaph when gone, but the first to wish to hold a place after death in the memory and affection of the good and faithful.

We sincerely trust the memoir to be published of this esteemed servant of Christ will give to the public a definite and living portrait of his character. The events of his life were simple; they were neither startling nor unusual. By the side of his esteemed colleague, the Rev. Mr. Müller, it appears tame and unimpressive. The Orphan House and its christian missions have so striking an effect from their diffusive beneficence, and the thrilling report of their dependence and yet increasing progress, that the quiet ministrations of Henry Craik have almost escaped the attention of the public. But his life and character were full of incident and meaning. His character was unique, his life singular. They may be made productive of great good. Though dead, he yet speaks. We sincerely trust that the voice coming even from the grave will be listened to by many an obedient ear and loving heart.

We would respectfully urge the estimable man to whom his papers have been entrusted,2 rather to delay the memoir, than fail in infusing into the detail the genial spirit of our departed friend.

His appearance was at times almost grotesque, and but for a watchful home, we suspect it would have been as alien from the ordinary secular, as from the clerical garb. We have sometimes been with him when the broken umbrella, his faithful friend, and the oldest hat have, by mistake, been donned for the best attire. The collar of the coat was looking after the sleeves, and the necktie had comfortably nestled itself behind the head. When in such a state he had just come to the surface after a deep digging for a Hebrew root, or a dive into the depths of authorities to see whether the Keri of the Hebrew should be admitted into the text. His intense devotion to the study of the Scriptures made criticism a recreation, and in his most humorous, impassioned, or depressed moments it was never unwelcome. When amidst beautiful scenery, and affected almost to tears by its witchery, a passage of the Divine word would come to crown the scene. But with it would occur the readings and interpretations that reverence or enmity had ever suggested. Nor did this break the spell. If a critical friend was present, nature would have to wait, till the moot point was settled. Then the landscape came afresh, the more fascinating and beautiful that it had not rebuked his momentary forgetfulness of its charms. Poetry and sentiment at times lured, but never mastered him. He could enjoy the one and indulge the other. But they were recreations enjoyed, but not obeyed.

His unsuspicious nature and purity of character were without weakness, but not without peril. They exposed him to deception. When doubt of truthfulness was awakened, his watchfulness and resoluteness proved that his simplicity was only guilelessness, and his trustfulness the triumph of charity. He was ever ready to confide, slow to detect, but when deceived indignant in rebuke. Intentional deception he could not endure. To be acquainted with him was to respect him, and to know him was to love him. His trustful conversation, kindly fellowship, Scotch reminiscences, love of fatherland, English sympathies, devout spirit, made him, to the few, more of a model friend than he had been accepted by the many as a model preacher.

An oppressive sense of responsibility checked indulgence in mere literary pursuits, yet he found time to keep abreast of the current literature of the day, and watch with deep solicitude the phases of the controversies that were disturbing the Church of Christ. In some he took an active part, in nearly all a deep interest, and if he had lived, this winter would have witnessed his indignant condemnation of the modern attempt to create a church, or reveal a religion, without a creed. He had purposed a series of lectures to remonstrate against this attempt. While holding with an eager grasp the old standards of the evangelical faith, he grew in catholicity of spirit. His reading had become more liberal, his public services less confined, and his friendships more extended.

In his early life he had passed from the home culture and discipline of an estimable Scotch clergyman to a tutorship in the South of England.3 The education of home and of the University of St. Andrews had prepared him to do honour to his new position. He was highly esteemed, and still true to his early devotion to classical studies. An apparantly [sic] accidental association with Mr. Müller, gave young Henry Craik fitting opportunity for the revelation of his power. He became an earnest acceptable preacher of the Gospel. Adopting the views of the Baptists, his course was in the main prescribed. He did not join the Baptist denomination, but, with Mr. Müller, came to Bristol, and sought to establish a Christian Church. An open and unpaid ministry was the principle on which the attempt rested. They met with many suspicions and much opposition from the religious public. Both these honoured men, with instinctive wisdom, gave themselves mainly to work. The one to become the prince of our philanthropists, the other the model student and preacher. In each department success came.

Religious controversy was to them an unwelcome employment. Teaching, preaching, and working, their loved service. The small company soon became a formidable following. Generous and liberal helpers unexpectedly sprang up, and from the East the tribe travelled West, until Salem and Bethesda chapels became the accepted substitute for the name of a sect, and Ashley-down Orphan Asylum the evidence of a noble beneficent triumph. Faith in the Word was honoured in the chapels. Faith in the Work was blessed in the Asylum.

Of Mr. Müller we need not write. His monument time has already reared. Those structures of real magnificence, that form the home for nearly 2000 orphans, both conceal and reveal the nobility and simplicity of his character. His deceased friend claimed no such honour. His devotion was emphatically to the Divine Word. He laboured and watched to catch its very whispers, while his hearers received from his lips the fulness of its counsels, and the wealth of its revelations. Biblical words were to him as caskets. He suspected a jewel in each. He erred sometimes, but not often. The grammatical value, rather than the spiritual force of a passage, would captivate him. The form became more important than the principle it embodied. But these instances were few in contrast with the abounding of fruitful and sober exegesis. We would pass them by, if veneration for his memory did not demand an exact likeness of our friend. With these admissions, we leave Mr. Craik, confessedly, one of the very best commentators that Holy Scriptures ever had. Through him for thirty years their infinite variety and resource have ministered to the guidance and consolation of thousands of hearers.

We would confess our deep regret that he has left behind him commentaries on only one or two portions of the Scriptures. His independent criticisms on Alford, Bishop Ellicott, Tregelles, and Scrivener have been gracefully appreciated by these learned men, and they probably would share the regret that so successful a student and critic had not lived to record his matured judgment in a written commentary on the text. His work, however, is done, and the absence of the teacher should make the student the more solicitous, habitually to be taught of God.

As if impelled by some pre-monition of his approaching removal to his better home, he had long indulged the hope of visiting the scenes of his early days. The opportunity came, and he joined his honoured brother’s family, sojourning amidst the lake scenery of his native Scotland. To him, more than to many, such companionship, scenery, and associations would yield intense joy. A joy the purer, in that so much of Heaven would be blended with the scenes. But disease brought disappointment, and soon he was compelled almost to hasten back to his home at Clifton. From this there was one continuous descent to the grave. A long and painful illness ensued. Loving hearts and medical skill and care joined to stay the hour of departure. He himself had the impression that his work was not yet done. To his honoured brother, with another friend present in this chamber of sanctified affliction, he expressed the wish that he might yet bear the fruits of bygone labours into the earthly storehouse of his great Master. His desire seemed natural. Such stores as he possessed could not, in human seeming, be spared. They were more needful for earth than heaven. But not so was the decree of infinite wisdom and love. By such discipline are we taught that though God puts such treasure in earthen vessels, the vessels are not the treasure. They may be broken, but the riches remain.

The last days of our departed friend were those of suffering and exhaustion. Amidst all, peace reigned. His soul stayed itself on God. There was no exultation, but much tranquillity. Neither doubts nor distrust disturbed his last moments. All was peace. Once he said, as we were standing by his bed-side, “God’s presence is precious; I feel its value; it is my stay, my hope; but it is good to have about me and in my chamber those I love. I feel how merciful and kind it is of my heavenly Father to give us these objects of human affection and sympathy. I like their presence; they help and cheer me.” His beloved wife4 and dear daughter5 were moving about his tender heart, and soothing its sorrows, and assuaging its pains. They were ministering to his peace. And thus in them his keen eye of faith and love saw his Lord. They to him were gracious and needed gifts from His hand. The last words addressed to us when passing round his bed of langour and pain were, “Dear M—, when you hear it is all over, give God thanks.” These words followed us. They enjoined a duty we knew to be well nigh impossible to obey. It would require great resignation and faith to praise God for taking away such a man and such a life as Henry Craik’s. But we have learned already that often an apparent loss is a great gain. To him this must be, and to us it may be true. We may, then, calmly say, “The Lord gave, and the Lord hath taken away; blessed be the name of the Lord.” It is all over; let us give God thanks.

He was carried to the grave on Tuesday, amidst the sorrows and regrets of thousands. Whether by design we know not, but with marked propriety the Cathedral bell was tolling as the funeral passed through College-green; and in Bath-street the shops and offices of the Jewish merchants and traders were partially closed. The day was gloomy; the very heavens seemed to sympathise with the sorrowing crowd. A long line of carriages and mourners followed the remains to the cemetery, and there thousands were waiting the interment. Among them were nearly all the Baptist and Independent ministers in the city. A clergyman, Mr. Doudney, was present. Two brethren officiated, and gave utterance to the sympathy and sorrow that prevailed. All was genuine. Each seemed to be bearing a heavy burthen. It was felt to be a time to mourn and weep. A master in Israel had fallen. But the sorrow was not as those without hope, for all felt, “Blessed are the dead that die in the Lord.”

Bristol has lost many citizens and benefactors during these last twenty years; the broken columns and massive monuments of our cemetery tell of losses that no language can express. But of all, none surpass that which has been sustained by the church and the world in the death of Henry Craik. Neither mural tablet nor marble monument is needed to perpetuate his name. A multitude now and many hereafter will trace their likeness to Christ to his ministration. It will be increasingly seen how largely the Divine Spirit used him to awaken to life and mould into spiritual beauty the new creature in Christ Jesus. And in the impress of the Lord stamped on the new character, shall be traced the faithful work of the under-servant who laboured for such a joy and such a reward. “They that turn many to righteousness shall shine as the stars for ever and ever.”

Let us breathe the prayer that we may follow in his steps, so that “to live may be Christ, to die gain.”

Redland, February 5, 1866.


Ein Sonett auf Henry Craik

Es ist frappierend zu sehen, wie sehr Henry Craik nach seinem Tod von seinen Zeitgenossen gefeiert wurde und welche Prominenz er demnach zu Lebzeiten genossen haben muss – Vergleichbares ist mir im British Newspaper Archive sonst nur noch bei Georg Müller und Robert Chapman begegnet. Schon einen Tag nach seiner Beerdigung bot der Bristoler Buchhändler und Drucker William Mack Porträtfotos von Craik zum Kauf an:

1866-01-31 The Western Daily Press 1 (Craik)
The Western Daily Press, 31. Januar 1866, S. 1

Drei Tage später, also heute vor genau 150 Jahren, erschien in der Western Daily Press sogar ein Nachruf in Sonettform – eine solche Ehre dürfte nur den wenigsten „Brüdern“ zuteilgeworden sein:

1866-02-03 The Western Daily Press 3 (Craik)
The Western Daily Press, 3. Februar 1866, S. 3

Henry Craiks Beerdigung

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Henry Craik (1805–1866)

Heute vor 150 Jahren wurde Henry Craik auf dem Friedhof Arno’s Vale in Bristol beigesetzt. Auch darüber berichtete die Western Daily Press in größter Ausführlichkeit (31. Januar 1866, S. 3):

FUNERAL OF REV. HENRY CRAIK.

A stranger visiting Bristol yesterday could not fail to observe that a funeral ceremony of unusual importance engaged the attention of the citizens. The leading streets and thoroughfares were occupied by groups waiting to see or to join the procession which carried, in sad solemnity, the body of a beloved minister to the grave. The route was a long one of four miles, extending from Hampton Park to Arno’s Vale. The funeral left Mr Craik’s residence about 10.30, but it was after twelve when the long line of carriages – the longest ever seen upon a like occasion – reached the cemetery, where hundreds had been waiting for hours in the rain and cold of a gloomy, wintry morning. The weather must, of course, have deterred many from going out, but at every part of the route the funeral was met by sympathising spectators. In Queen’s Road, at the Triangle, a body of ministers and friends joined it. At Counterslip we observed a large number of the workmen of the great sugar-house1 – many of them had been accustomed to Mr Craik’s ministrations in the room provided for the purpose at the works, and they evidently felt the loss which they had sustained. At the railway station and other parts, cabs and carriages filled with ladies in mourning testified to the feeling in which Mr Craik’s memory was held. As might be supposed, the other name associated with Mr Craik’s for the long series of 34 years – the name of George Muller – was frequently in the minds of the mourners, and many expected to see him yesterday. He could not attend, owing to severe indisposition, which has kept him for two or three Sundays away from his usual public duties. We may be sure, however, that no one more sincerely mourned the loss of “Brother Craik,” as he always styled him, than the great founder and director of the Ashley Down Orphan Houses.

At the cemetery it was found impossible to admit even a small proportion of the immense crowd seeking admission to the chapel – a crowd which extended beyond the portico and spread itself over the cemetery, waiting patiently for a glimpse of the coffin as it was carried to the grave. Major Tireman2, a prominent and able preacher among “the Brethren,” was chosen to officiate in the chapel, and the Rev. Mr Victor, of Clevedon, at the grave.

The chief mourners were the three sons of the deceased, Mr Conrad Finzel3, Major Tireman, Messrs Howland, Acland, Rickards, C. Lemon, and the Rev. Mr Victor. Eight deacons of the Bethesda Chapel were present, viz., Messrs Martin, Butler4, Feltham5, Pocock, Withey6, Jos. Matthews, Isaac, and Captain Beecher. In the other coaches were the Revs. Aitchison, Robinson, and Larkins, and Messrs Horne, Davis, Wright, B. Perry, Jno. Thomas (Clevedon), B. Thomas, Elliot Armstrong, Wm. Stancombe, Hatchard, Shoobridge, Chapman (Barnstaple), Hake (Bideford), Lawford, and Hallett. In a carriage in the procession were Mrs Muller and her two sisters, and nearly 30 private carriages followed in the rear. Amongst those who had joined in the procession to show their respect for the deceased, were the Revs. N. Haycroft, M. Dickie, R. E. May, H. I. Roper, E. Probert, R. P. Macmaster, J. Tayler, T. A. Wheeler, Dr. Gotch, D. A. Doudney, E. J. Hartland, U. Thomas, and Messrs H. O. Wills, F. Wills, Griffiths, Grundy, Gould, Mack, Poole, G. W. Isaac, Batchelor, &c. When the coffin had been deposited in the chapel, Major Tireman, having read the latter portion of the 15th chapter of 1st Corinthians, and offered up prayer, founded an address upon the 13th verse of the 14th chapter of Revelations: “And I heard a voice from heaven saying unto me, write – Blessed are the dead who die in the Lord from henceforth: yea, saith the Spirit, that they may rest from their labours; and their works do follow them.” He remarked that when the beloved disciple John heard that voice from heaven under circumstances of humiliation and depression, the companions of tribulation, he was led to see far greater revelations of the coming kingdom and glory of the Lord whom he loved than he had ever experienced before. So they might believe that the cloud of great and deep sorrow under which they were labouring would be made subservient to a deeper spiritual experience and a deeper spiritual joy. It was not said blessed are the dead. There was nothing blessed in death – it was the struggle with the last enemy that had to be destroyed – it was a penalty to be paid even by every redeemed son of Adam because of sin. The reason of the blessedness was that they “died in the Lord.” Of whom could they with greater truth say this than of their beloved brother? They had, indeed, the comfort and satisfaction of knowing that he died in the Lord. They had a comfortable assurance that he lived in Him, and that was to them an assurance that he died in Him and inherited His blessings. If it could be said of anyone that he lived in the Lord it could surely be said of him whose remains, surrounded by the accompaniments of sorrow and death, were present in their midst: eminently he lived in the Lord, and to him to die was gain. This was the testimony of thousands, and it was not only written in the hearts of those present, but it was a living epistle known and read of all men. Little did he (Major Tireman) think when last in that place, to witness the consignment to the silent tomb of their brother, Mr Hale7, who was suddenly taken in the midst of his labours, and when he heard their dear brother address them, that he himself would be the next to go; and much less that he should occupy that place and speak a few words over his remains. But God’s ways were inscrutable, and he (Mr Muller) who was his colleague so long – who was his friend and companion so many years – was himself unable by sickness to perform those last duties. Might God long spare him, and not add sorrow to their sorrow. Pleasant and lovely were they in their lives, and in death they were not divided. He was laid aside in God’s providence, and this alone prevented him from paying a last testimony to their brother. He (the speaker) was there because Mr Muller, and the family of the deceased, would have it to be so – not as one worthy to address them – but as one who yielded to none in respect for the character and integrity of life of him with whom he had been united for 15 years in the closest ties of friendship. The delight of our eyes was gone. Of him it might be truly said – Si monumentum quæris, circumspice – “If you seek his monument, look around” – in the sorrowing hearts and tearful eyes of the thousands of sorrowing sons and daughters of the Lord. Surely when he fell a pillar was broken in the house of our God. They had lost one who for 40 years devoted his life to the services of his God and Master. All his vast energies, and qualifications, and endowments were employed for one purpose – that of making more and more clear the Word of God. He lived for one purpose, and died for one purpose. The great delight and consolation of his soul was to make clear the Word of God, and he rejoiced in displaying its untold beauties to others. He left, like Peter, no legacy to the church, but he leaves his name, his works, his character, his example, as a lasting heritage. He combined fervent piety and zeal with childlike simplicity. His very sensitiveness and acute sensibilities may have been a hindrance to the work he was engaged in carrying on. He could not go from house to house without deep feeling on the occasions of sorrow to which he was called to minister. If his character was aspersed he was never moved to any unchristian feeling, much less to any unchristian act. “He was a good man and full of the Holy Ghost, and through him much people were added to the Lord.” His loss had made sincere mourners of them all. They would not be able to feel it as they desired just then; but they would feel it in days and years to come, and feel it deeply. They rejoiced, however, in his blessedness, and in the rest he had from his labours. He had gone to realise the full enjoyment of those truths in which he believed here, and on his dying bed his eyes lighted up with fire at the prospect of being in the fellowship of the blessed. Could they look upon his last remains and their sorrows not be moved? This was the last they should ever see of their much-beloved brother, whose presence they had so often welcomed and which had struck joy into so many hearts. Never again would those lips speak the words which flowed from him like rivers of living water. Never again would those eyes light up with fire and that tongue become the pen of a ready writer, and those hands be lifted up, as they were when he spoke of things concerning the King. Never again would his footsteps fall on the threshold of that place wherein they all so loved to hear them fall, and where he so often gave good counsel and advice. Should their sorrows not be moved? Never again would they hear his little cough with which he entered the room, and which gave an indication of his presence amongst them. Could they think of such things and not sorrow? Major Tireman, having given a few words of earnest and affectionate exhortation to the bereaved widow and family of the deceased, concluded with prayer his deeply-affecting discourse, which was imperfectly heard in the crowd and pressure.

The coffin was then removed to the grave, and, having been lowered in the earth, the Rev. Mr Victor, of Clevedon, addressed the assembly in an earnest and Christian manner. He said the grave over which they met was hallowed, because the sting of death was taken away from him who now was lying within it. The grave was hallowed because of the resurrection of the Lord Jesus Christ, who had made it impossible for this tomb to retain their brother now committed to it. “I am,” said the blessed Saviour, “He that liveth, and was dead, and behold, I am alive for evermore, and have the keys of death and Hades.” “I am the resurrection and the life, he that believeth in Me shall never die.” On this dreary, wintry day, whilst this body was committed to the tomb, the spirit that in-dwelt in it was soaring on high – a lovely bird of Paradise, hymning hallelujahs in the bosom of their blessed Lord. These were hallowed remains in this hallowed grave, because the body was redeemed as well as the soul by the precious blood of Christ – the body was once in-dwelt by the Holy Ghost, through whose power its senses were engaged and employed for their Master in the skies. The eyes saw for Christ, the lips spake for Christ, the hands were lifted in the service of Christ, and in intercession for many. Hallowed memories gathered around this grave. The memory of the just is blessed. There was the remembrance of their brother as a devoted husband in the Lord – a fond father, a faithful servant of the risen Son of God, who declared the whole counsel of God – a brother beloved, who was constrained to love all who loved the Lord Jesus. Hallowed memories were here, of words faithfully spoken to saints and sinners, of prayers offered in deep affection and fervent desire, of a consistent life maintained by the grace of God. Besides these hallowed memories they had hallowed hopes. Here lay a sower of the seed. For many years the precious seed of God’s truth had been cast by him into the hearts of the sons of men. Fruit had appeared, but the righteous had hope in his death, and the abundant harvest was yet to be seen. How many would be a crown of rejoicing to their brother in the day of the Lord. They had hallowed hopes – they sorrowed not as those without hope. They were anticipating the coming day, the morning without a cloud, when these remains should come up, because of their union with Christ, and spring into beauteous immortality. The spirit that in-dwelt in the body would then be re-united with the body, and they who were the children of God would then with that glorified saint cast their crowns at the Redeemer’s feet, and their immortal lips join with him in ascribing for ever and ever “Salvation to our God who sitteth upon the throne, and unto the Lamb.” He (Mr Victor) would affectionately ask, before they separated, could they who were mourning say, “For me to live is Christ, and to die is gain?” Had they peace through the blood of Christ? Did they know the power of the resurrection in creating them anew, and raising their expectations, and causing them to long for the return of their beloved Lord. If not, might God grant that the prayer just now offered might be answered, that their beloved brother, though dead, might yet speak to them. Mr Victor then offered up prayer, and the mourners having taken a last look upon the coffin – the inscription-plate of which simply bore the name, age, and date of death of the deceased – the vast assemblage left the cemetery. We do not remember a funeral which called forth such unfeigned marks of sorrow and respect.


150. Todestag von Henry Craik

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Henry Craik (1805–1866)

Heute vor 150 Jahren starb in Clifton (einem Vorort von Bristol) der engste Freund und Mitarbeiter Georg Müllers, Henry Craik, im noch nicht sehr fortgeschrittenen Alter von 60 Jahren. Über sein Leben habe ich bereits 2010 einen Wikipedia-Artikel geschrieben, sodass ich hier auf einen biografischen Abriss verzichte;1 stattdessen möchte ich die Aufmerksamkeit auf die erstaunlich ausführliche Presseberichterstattung lenken, die sein Tod auslöste.

Die Bristoler Tageszeitung The Western Daily Press widmete Craik am 24. Januar 1866 gleich zwei lange Artikel. Auf Seite 2 hieß es unter der Rubrik “Topics of the Day”:

One of the most devoted, learned, and amiable labourers in the Christian vineyard, the Rev. Henry Craik, passed from his labours into eternal rest late on Monday evening, in this city. Under date March 29, 1832, there is the following entry in the Narrative of the deceased gentleman’s fellow-labourer, Mr Müller, so well known throughout the Christian world as the founder of the Ashley Down Asylum for Orphans: – “I went to Shaldon this morning; brother Craik has left for Bristol for four weeks. I think he will only return to take leave, and that the Lord will give him work there. [What a remarkable presentiment, which came to pass, concerning my beloved brother and fellow-labourer.]” From that period, if we except the short interval of leave-taking which Mr Craik spent with his former flock at Shaldon and Teignmouth, he has, until struck down by his last painful illness, devoted himself to the work of the Christian ministry in Bristol with a zeal which nothing could damp; and we only state the simple truth when we say that while he was beloved by the people who had the benefit of his ministrations he won by his pure, consistent, Christian life, and by the devotion with which he threw all his energies into the performance of his work, the warmest esteem and the deepest respect of persons of all creeds capable of appreciating worth of more than an ordinarily rare kind. In another column a narrative of Mr Craik’s life will be found. It is necessarily imperfect, as indeed it is impossible to do justice to such a life within the brief limits of a newspaper article. He laboured long in this city, and the spirit in which he laboured and the faith with which he rested upon the promises of the Master, whom he served for the means necessary to enable him to prosecute his labours, were purely apostolic. Ever since, and for some time before, he came to Bristol, Mr Craik, like the colleague who now mourns his loss, depended for his living upon the willingness of the people to whom he ministered. With a faith which we need not say is rarely exhibited in these doubting days, he trusted not in man, but in God, for the “food and raiment” which he required. The dominant thought of his life was not how he might increase his store of the goods of this world, but how he could best promote the spiritual interests of his fellow-men. One, if not more than one, of the universities of his native country, on two occasions, offered him, as a mark of appreciation of his rare scholarship, the degree of D.D., but on both occasions he declined the honour. His modesty was as conspicuous as his worth, and his memory will dwell long in the hearts of all who had the privilege of his acquaintance.

Das angekündigte Lebensbild folgte auf Seite 3:

DEATH OF REV. HENRY CRAIK.

Our readers will receive this announcement, we feel sure, with deep and unfeigned sorrow. A truly good man – a great man, in the sense of high intellectual as well as high moral qualities – has been removed from us, after 34 years’ service as a devoted Christian minister in this city. Mr Craik’s death was not unexpected. A painful illness had confined him for several months to his house. In the summer, when upon an excursion in Scotland, the symptoms of a wasting internal disorder became apparent by increased feebleness and incapacity for study. Medical advice was sought; but it was not until he returned home to his residence in Hampton Park, Redland, and had consulted his own medical attendant (Mr Burleigh), along with Dr. Symonds, that a correct diagnosis was obtained. It was then found that Mr Craik was suffering from collapse of the pylorus – a disease always dangerous and difficult of cure, and one which soon showed the usual effects in his case. When the writer saw him, some three months since, he was painfully struck by the sad change in Mr Craik’s appearance. Although he was then able to drive out a little, he was a mere shadow of his former self; he was debarred from reading – a severe deprivation of one of his chief pleasures – he could not even bear the excitement of another reading to him, except at infrequent intervals, and he seemed altogether like a man who was slowly nearing the last stage of decay and dissolution. Yet his old cheerfulness and geniality were but slightly diminished; while his confidence in the end, his faith, his hope, were expressed in the same unaffected, unfaltering, manly tone and manner which always characterised him. To meet death was not to meet an enemy of whom he was afraid – it was to meet the conqueror of death, the Master whom he had served so lovingly, so cheerfully, and so acceptably, as many can testify in this city and elsewhere. Mr Craik lingered on, gradually growing weaker and weaker, until Monday night, when he died very calmly and peacefully. About nine o’clock a change was observed by his family, and an intimate friend and neighbour (Mr Charles Lemon) was sent for. The pulse was found to be gradually falling, and at 11.23 it ceased. It is common enough to praise men when they are dead, and to indulge indiscriminate laudations of them. Of all this Mr Craik had an instinctive abhorrence. Himself without a particle of pride or affectation – although he had, being among the first linguists in England, much to be proud of – he turned with surprise and regret at the assumption of superiority in others, especially when he knew, as he easily could know, that it was pretentious and unwarranted. We are only employing, however, the language of truth and soberness, when we say that Henry Craik’s religion was of the loftiest and purest description – that it was untarnished by worldly considerations, and that it combined as much of the spiritual and human nature in felicitous proportion as we have ever found or expect to find again. His very simplicity and child-like trustfulness charmed all classes. His piety, never ostentatious, never bordering upon personal merit, was so transparent that you could not help feeling and recognising its power and influence. The priestly character he could not assume, nor the perfunctory style of duty which some who disown the title of priest are apt to fall into. His whole life, his very soul, he gave entirely to the service of his Master and the welfare of his fellow-creatures. As he lived, so he died, in faith and hope. Who that knew him doubts his destiny? Of some men we may have doubts – of Henry Craik we can think only as we think of the saints and martyrs who walked for a while upon earth in a pilgrim’s journey to Heaven. Thousands will sorrow after him – his bereaved flock, and especially his self-sacrificing colleague, Mr George Muller, with whom he commenced his ministry in Bristol, and who regarded him in the truest sense as a brother. By the whole Christian community of this great city his memory will be cherished with affection, his character will be reverenced, and his life and labours will long be remembered with admiration and gratitude.

By the first part of Mr Muller’s “Narrative,” we find that Mr Craik left Teignmouth, where he then was a minister among “The Brethren,”2 for Bristol, on a visit of four weeks, on the 29th March, 1832. Mr Muller states that “it was there [Teignmouth] that I became (in 1829) acquainted with my beloved brother, friend, and present fellow-labourer, Henry Craik.” Mr Muller, at Mr Craik’s solicitations, followed him to Bristol, and on the 22nd April preached at Gideon Chapel, then occupied by the Brethren.3 It is well known that these remarkable men made a wonderful impression during this their first visit to the city. An entry of the “Narrative,” dated April 29, 1832, says: – “Brother Craik preached this evening at Gideon for the last time previous to our going. The aisles, the pulpit stairs, and the vestry were filled, and multitudes went away on account of the want of room.” The next entry, May 15, shows the decision to accept the invitation to settle in Bristol. “Just when I was in prayer,” writes Mr Muller, “concerning Bristol, I was sent for to come to brother Craik. Two letters had arrived from Bristol. The brethren assembling at Gideon accept our offer to come, under the conditions we have made, i.e., for the present to consider us only as ministering among them, but not in any fixed pastoral relationship, so that we may preach as we consider it to be according to the mind of God, without reference to any rules among them; that the pew-rents should be done away with; and that we should go on, respecting the supply of our temporal wants, as in Devonshire.” This last sentence means a great deal. In Devonshire these truly apostolic men literally laboured “without money and without price.” Occasionally they were reduced to such straits as to have neither money nor food; yet their wants were always supplied, without appealing for aid to friends or neighbours. They made no bargain in Bristol for salaries or residences. “A cheap lodging” at 18s a-week, consisting of two sitting-rooms and three bed-rooms, was deemed sufficient for them and their families. It was the year of the cholera, and during four months they held every morning a prayer meeting at Gideon, from six to eight o’clock, at which from two to three hundred people were present. Mr Muller says: “Though brother Craik and I visited many cholera cases, by day and by night, yet the Lord most graciously preserved our families from it.” That Mr Muller fully estimated Mr Craik’s preaching power may be seen by an entry of Oct. 1st, 1833: – “Many more are convinced of sin through brother Craik’s preaching than my own. This circumstance led me to inquire into the reasons, which are probably these: – 1. That brother Craik is more spiritually minded than I am. 2. That he prays more earnestly for the conversion of sinners than I do. 3. That he more frequently addresses sinners, as such, in his public ministrations, than I do.” Mr Craik’s preaching drew a large and intelligent congregation to Bethesda Chapel, Great George Street – this place of worship having been secured when Gideon was found inadequate. It was not popular preaching, being deficient in manner and style, and without any of the gaudy rhetoric which is commonly relied on to fill chapels. Mr Craik had but one object in view – to instruct and impress his hearers, and in this he always succeeded. No one could complain that Mr Craik did not understand the text on which he preached. Whatever the subject might be Mr Craik was certain to master it thoroughly. His language was chaste and scholarly. Words singularly forcible and apposite were employed to convey his meaning upon topics to which he had given special attention. Frequently there was much warmth, always great earnestness, in his pulpit addresses and his prayers. Many thoughtful and pious members of the Church of England were drawn to Bethesda Chapel on the Sunday evenings to hear Mr Craik, and were not the least sincere among his numerous admirers. Mr Craik also preached, alternately with Mr Muller, at Salem Chapel.

Our own idea is, that Mr Craik’s forte was the professor’s chair rather than the pulpit. As a Hebraist he had few equals, still fewer could be named as his superiors; and among his friends and correspondents were some of the first scholars and divines of the day, including our own diocesan (Bishop Ellicott), with whom a strong intimacy was maintained, – the Bishop being fully alive to the extent and variety of Mr Craik’s learning and ability. Mr Craik had been a pupil, at Edinburgh University, of the late Dr. Chalmers, and was educated as a clergyman of the Church of Scotland, in which his brother (Rev. Dr. Craik, of Glasgow) occupies a conspicuous position. But the trammels of Presbyterianism were over much for him, and he became a decided Nonconformist, embracing the Congregational form of church polity. His habits, however, were too retiring to allow him to mingle in controversial strife. Only once do we remember his appearing in public to give his views on the connexion of Church and State. It was in 1860, at the Broadmead Rooms. A correspondence followed in these columns, his opponent being a well-known clergyman who figured on the same side at the July election of members of Parliament.

Mr Craik, while an active pastor, was also a frequent writer. His principal works are: “Principia Hebraica;” “The Distinguishing Characteristics and Essential Relationships of the Leading Languages of Asia and Europe;” “The Hebrew Language, its History and Characteristics;” “Hints and Suggestions on the Proposed Revision of our English Bible;” “Reply to certain Misrepresentations contained in Essays and Reviews;” “Pastoral Letters;” “An Amended Translation of the Epistle to the Hebrews;” “The Popery of Protestantism,” &c.

We understand that Mr Craik kept a diary, in which he has given the leading events of his interesting career, his correspondence and intercourse with eminent men of his time, and an account of the establishing of that great national institution, the Ashley Down Orphan Houses. This will shortly be published, we believe, and will form a valuable history of the thirty-four years’ life and labours of Mr Muller and Mr Craik – two of the most remarkable men, two of the most honoured servants of the Church of Christ, who have ever appeared in this or any other country.

Auf derselben Seite findet sich unter der Rubrik “Deaths” noch folgende knappe Notiz:

On the 22nd inst., at Holyrood Villa, Hampton Park, Clifton, the Rev. HENRY CRAIK, deeply and sincerely regretted by a wide circle of friends and admirers.

Über Craiks Beerdigung am 30. Januar erschien in der Western Daily Press ebenfalls ein ausführlicher Bericht, den ich mir für einen separaten Blogeintrag aufhebe.


Frühe Bezeichnungen für die britische Brüderbewegung

Da die Brüderbewegung keine neue Glaubensgemeinschaft sein wollte und sich daher auch keinen offiziellen Namen beilegte, dauerte es eine Weile, bis sie in der Öffentlichkeit als Gruppe wahrgenommen wurde. Der früheste Hinweis auf die Gemeinde in Plymouth, den ich im British Newspaper Archive finden konnte, stammt aus dem Jahr 1833 und identifiziert sie nur durch den Namen der Kapelle, in der sie sich versammelte (Providence Chapel):

1833-08-24 The Western Times 3 (Plymouth)
The Western Times, 24. August 1833, S. 3

Bereits 1836 war im irischen Westport die Bezeichnung Darbyites in Gebrauch. In einer Notiz über den Kirchenaustritt von John Marsden Code heißt es:

1836-03-03 The Standard 2 (Code, Darbyites)
The Standard, 3. März 1836, S. 2
1836-03-05 The Worcester Herald 2 (Code, Darbyites)
The Worcester Herald, 5. März 1836, S. 2

Im selben Jahr ist Darbyites auch im Google-Books-Corpus zum ersten Mal belegt:

google_books_darbyites_1836
“Irish Chronicle. April, 1836.” In: The Baptist Magazine 28 (1836), S. 165–168, hier 166

Der Name Plymouth Brethren lässt sich – sowohl im British Newspaper Archive als auch in Google Books – erst zwei Jahre später nachweisen. 1838 druckte die Hereford Times einen kurzen Artikel der Sunday Times über den Gottesdienstbesuch in Hereford nach und listete dabei als kleinste „Dissenter“-Gemeinde auch die „Plymouth Brethren“:

1838-03-31 The Hereford Times 4 (PB)
The Hereford Times, 31. März 1838, S. 4

Einige Monate später erwähnte die Zeitschrift The Evangelical Register die „Plymouth Brethren“ im Zusammenhang mit dem Kirchenaustritt von William Henry Dorman (Erstbeleg des Namens in Google Books):

google_books_plymouthbrethren_1838
“Miscellaneous.” In: The Evangelical Register 10 (1838), November-Heft, S. 500

Die Formulierung “known as” deutet darauf hin, dass der Name bereits eine Weile in Umlauf war; dennoch ist auffallend, dass die völlig verschiedenen Corpora von British Newspaper Archive und Google Books sowohl bei Darbyites als auch bei Plymouth Brethren jeweils auf exakt dasselbe Jahr verweisen.

An manchen Orten mussten diese Namen zunächst noch mit lokalen Sonderbezeichnungen wie Newtonites (Plymouth), Hallites (Plymouth, später Hereford), Müllerites (Bristol) oder Chapmanites (Barnstaple) konkurrieren. Aufschlussreich ist z.B. folgende Notiz aus dem Monthly Magazine vom Oktober 1839 (Google Books):

google_books_pb_etc_1839
“Quakerism and Quakers.” In: The Monthly Magazine 2 (1839), Heft 10, S. 417–431, hier 431

In Plymouth selbst dürfte es am längsten gedauert haben, bis der – hier wenig aussagekräftige – Name Plymouth Brethren sich als Gruppenbezeichnung etablierte. Noch 1840 kam ein Artikel über den Neubau des Saals in der Ebrington Street völlig ohne diesen Namen aus:

1840-02-21 The Cornwall Royal Gazette 4 (Plymouth)
The Cornwall Royal Gazette, 21. Februar 1840, S. 4

Die Bezeichnung Providence people spiegelt offenkundig noch den ursprünglichen Versammlungsort, die 1831 von Wigram erworbene Providence Chapel, wider; bemerkenswerterweise wurden Zusammensetzungen mit Providence zu dieser Zeit aber auch in anderen Städten verwendet – und hätten so vielleicht durchaus eine Alternative zu Plymouth Brethren werden können. In Exeter, etwa 70 km nordöstlich von Plymouth gelegen, hieß es z.B. im April 1840:

1840-04-02 Trewman's Exeter Flying-Post 2 (Exeter)
Trewman’s Exeter Flying-Post, 2. April 1840, S. 2

Im benachbarten Crediton wurde der Name im selben Jahr zu provident society verballhornt (was wörtlich etwa „Fürsorgegesellschaft“ oder „Unterstützungsverein“ bedeuten würde1):

1840-02-22 The Western Times 3 (Crediton)
The Western Times, 22. Februar 1840, S. 3

Im Laufe der 1840er Jahre scheint sich schließlich Plymouth Brethren als Bezeichnung flächendeckend durchgesetzt zu haben. Darbyites begegnet noch einige Male vor allem in irischen Quellen, nimmt dann aber auch ab – möglicherweise weil das Wort in den 1850er und 1860er Jahren eine neue politische Bedeutung bekam: Die Anhänger des britischen Premierministers Lord Derby, eigentlich Derbyites genannt, wurden in der Presse oft ebenfalls (fälschlicherweise?) Darbyites geschrieben (die Aussprache ist dieselbe). Hier ein Beispiel:

1852-07-06 Dublin Evening Post 2 (Darbyite)
Dublin Evening Post, 6. Juli 1852, S. 2