Schlagwort-Archiv: Gedenktage

151. Geburtstag von Dan Crawford

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Dan(iel) Crawford (1869–1926)

Eigentlich sollte dies ein Post zum 150. Geburtstag des schottischen Afrikamissionars Dan(iel) Crawford werden, aber bei der Vorbereitung stieß ich zu meinem Erstaunen auf die Tatsache, dass sein Geburtsjahr fast überall falsch angegeben wird: Sowohl die englische Wikipedia als auch das Dictionary of African Christian Biography als auch das Christian Brethren Archive als auch die Website Missiology.co.uk nennen 1870, aber tatsächlich wurde Crawford bereits am 7. Dezember 1869, also heute vor 151 Jahren, geboren. Das belegen seine Geburtsurkunde, von der mir eine Kopie zugesandt wurde, sowie der Eintrag in der Datenbank Scotland Births and Baptisms, 1564–1950. Auch Henry Pickerings Chief Men among the Brethren, dessen Daten sonst nicht immer zu trauen ist, liefert hier die richtige Jahreszahl.

Crawford wurde besonders durch seinen Buchtitel Thinking Black bekannt, der prägnant zusammenfasst, was die Grundlage seiner Missionsarbeit in Afrika war. J. Keir Howard schreibt dazu im oben verlinkten Artikel aus dem Dictionary of African Christian Biography:

In many ways he was far ahead of his time, as his books (Thinking Black and Back to the Long Grass) show very clearly. His approach to others was summed up in his words, “I am de-nationalized – a brother to all men; Arab, African, Mongol, Aryan, Jew; seeing in the Incarnation a link that binds us up with all men”. This attitude led him to an identification with the Africans and their culture that was not generally welcomed by his European associates at the time […].

Über Crawfords Leben liegen online bereits genügend Darstellungen vor (s.o.), sodass ich hier auf eine eigene Skizze verzichte. Stattdessen gebe ich drei Zeitungssausschnitte zu seinem Tod wieder, die ich bei meinen Recherchen im British Newspaper Archive fand:

1926-06-10 Evening Telegraph and Post, Dundee 6 (Crawford)
Evening Telegraph and Post, Dundee, 10. Juni 1926, S. 6
1926-06-11 Evening Telegraph and Post, Dundee 2 Here and There (Crawford)
Evening Telegraph and Post, Dundee, 11. Juni 1926, S. 2
1926-06-23 The Western Morning News 9 The Free Church Outlook (Crawford)
The Western Morning News, Plymouth, 23. Juni 1926, S. 9

150. Todestag von Christopher James Davis

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Christopher James Davis (1842–1870)

Christopher James Davis, dessen Todestag sich heute zum 150. Mal jährt, stellt in mehrerer Hinsicht eine Ausnahmeerscheinung unter den (Geschlossenen) „Brüdern“ des 19. Jahrhunderts dar: Zum einen war er wohl der einzige prominente Schwarze unter ihnen, zum anderen war er mindestens ebenso sehr für sein humanitäres Engagement bekannt wie für sein geistliches.

Leben

Geboren am 23. April 1842 in Barbados als Sohn eines britischen Vaters und einer barbadischen Mutter, erlernte Davis zunächst den Lehrerberuf und war daneben als methodistischer Laienprediger aktiv. Bald schloss er sich jedoch den „Brüdern“ an. 1866 ging er nach London, um Medizin zu studieren; im April 1870 erwarb er in Aberdeen den Grad eines Bachelor of Medicine (M.B.).1 Nach einigen Monaten ärztlicher Tätigkeit im St Bartholomew’s Hospital in London sah er sich im September 1870 berufen, verwundete Soldaten im Deutsch-Französischen Krieg zu versorgen und die Einrichtung von Suppenküchen zu unterstützen. Bei diesem aufopferungsvollen Dienst infizierte er sich mit den Pocken und verstarb innerhalb weniger Tage am 27. November 1870 in Pont Maugis, erst 28 Jahre alt.

Sein Tod fand in der Presse breite Aufmerksamkeit. The Daily News brachte am 5. Dezember 1870 einen ausführlichen Nachruf von W. H. Bullock, der in mehreren anderen Zeitungen (auszugsweise) nachgedruckt wurde,2 und am folgenden Tag einen weiteren Bericht über seine Arbeit. Das medizinische Fachblatt The Lancet veröffentlichte am 10. Dezember einen kürzeren Artikel mit dem Titel „Le Bon Docteur Noir“, der ebenfalls in mehrere Zeitungen Eingang fand.3 Interessant ist die folgende Charakterisierung Davis’ aus dem Aberdeen Journal vom 14. Dezember 1870 (Hervorhebung hinzugefügt):

As is known to many of our readers, Dr Davis was a blythe, handsome-looking man, with exceedingly frank and affable manners. He possessed considerable ability, and graduated at the University here in the spring at the present year. He was perhaps best known in this quarter in connection with his evangelical meetings, and his able advocacy of the doctrines of Plymouthism. He took a very earnest and active interest in the welfare of the poor and degraded classes, during the time of his residence here as a medical student, and we know from thoroughly impartial testimony, was the means of doing a great deal of good. He did all this without in the slightest manner obtruding himself upon the notice of the public, and more than one good deed, which deserves to be proclaimed, was kept secret at his own express desire.

The Dundee Courier & Argus druckte am 15. Dezember 1870 Auszüge aus einem Brief ab, den Richard Chrimes, Organisator der finanziellen Unterstützung von Davis’ Arbeit in Frankreich, an die Spender geschickt hatte. Er schilderte darin die letzten Tage des Verstorbenen sowie seine Beisetzung am 29. November auf dem protestantischen Friedhof von Sedan, bei der – sicher ungewöhnlich für die Beerdigung eines Geschlossenen Bruders – drei Pastoren sprachen (darunter auch ein Deutscher).

Auch christliche Zeitschriften begannen sich nun für Davis zu interessieren. Im Mai 1871 machten mehrere englische Zeitungen auf eine Kurzbiografie in The Sunday at Home aufmerksam,4 und wenige Monate später erschien im Baseler Evangelischen Missions-Magazin (herausgegeben von Hermann Gundert) einer der ersten deutschsprachigen Artikel über Davis – unter dem nun geradezu sprichwörtlich werdenden Titel „Der gute schwarze Doktor“, der ihm in Frankreich beigelegt worden war. Dieses Lebensbild habe ich bereits 2017 auf bruederbewegung.de wiederveröffentlicht.

An weiteren online zugänglichen Informationsquellen über Davis sind u.a. zu nennen:

Schriften und Vorträge

In seinem kurzen Leben veröffentlichte Davis mehrere Broschüren und Bücher, die auf der Website STEM Publishing größtenteils digital verfügbar sind. Als Beispiele für seinen evangelistischen Verkündigungsdienst mögen hier einige Zeitungsausschnitte dienen:

1869-03-27 Berkshire Chronicle 5
Berkshire Chronicle, 27. März 1869, S. 5
1869-03-27 Reading Mercury 3
Reading Mercury, 27. März 1869, S. 3
1869-04-03 Reading Mercury 5
Reading Mercury, 3. April 1869, S. 5
1869-04-22 The Glasgow Herald 8
The Glasgow Herald, 22. April 1869, S. 8
1870-04-23 The Sheffield & Rotherham Independent 1
The Sheffield & Rotherham Independent, 23. April 1870, S. 1

Kritik

Dass Davis’ humanitäres Engagement in den Kreisen der Geschlossenen Brüder durchaus nicht auf ungeteilte Zustimmung stieß, berichtet Neatby in seiner History of the Plymouth Brethren (Hervorhebung hinzugefügt):

[Darby] once overheard a company of them discussing the recent death of Dr. Davis – a young coloured man, known as “the good black doctor,” who after qualifying in London as a surgeon lost his life from small-pox while attending on the wounded in the Franco-Prussian war. The work for which he laid down his life was deemed a sadly worldly piece of philanthropy by the zealots of Darbyism, and the group was actually discussing whether it were not by a judgment mingled with mercy that the young surgeon had been called hence. Darby broke in on the debate with an impatient, “Well, well, God has accepted his service and taken him home”.5

William Kelly war in diesem Punkt derselben Ansicht wie Darby:

I heard Dr. D[avis] censured (by the S[toney?] following in general) for going on behalf of the sick and of souls to Sedan. This I never did and I did not think it was for me, or for them, to judge.6


200. Geburtstag von Charles Henry Mackintosh

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Charles Henry Mackintosh (1820–1896)

In diesem Monat wäre Charles Henry Mackintosh, einer der bekanntesten Geschlossenen Brüder des 19. Jahrhunderts, 200 Jahre alt geworden. Leider ist sein genaues Geburtsdatum (ebenso wie das seines sieben Monate jüngeren Landsmanns William Kelly) nicht bekannt und auch von seinem Biografen Edwin Cross nicht ermittelt worden – vielleicht weil die betreffenden Kirchenbücher bei der Zerstörung des Public Record Office im Irischen Bürgerkrieg (1922) verloren gingen?1

Leben

Über Mackintoshs Leben sind bereits etliche Darstellungen online verfügbar:

Ich begnüge mich deshalb hier mit einer Übersetzung des knappen Artikels von Edward Elihu Whitfield aus The New Schaff-Herzog Encyclopedia of Religious Knowledge (Bd. 7, 1910):

MACKINTOSH, CHARLES HENRY: Plymouth-Bruder; * 1820 in der Grafschaft Wicklow, Irland; † 2. November 1896 in Cheltenham (7 Meilen nordöstlich von Gloucester). Er war einige Jahre Lehrer in Westport, Grafschaft Mayo, Irland. Den größten Teil seines Lebens widmete er sich jedoch der Evangelisation, dem Hirtendienst, dem religiösen Journalismus (als Herausgeber der Monatszeitschrift Things New and Old) und der religiösen Literatur. Er war der Autor der Gedanken zu den fünf Büchern Mose, die sich großer Beliebtheit erfreuten und besonders in den Vereinigten Staaten in enormer Zahl verkauft wurden, sodass die Initialen „C.H.M.“, unter denen sie erschienen, vielen vertraut waren – der Name, für den sie standen, aber wahrscheinlich nicht. Mr Gladstone lobte seinen englischen Stil; Spurgeon lobte die Gedanken, insbesondere den Band über das 2. Buch Mose, auch wenn er mit ihrem „Darbysmus“ nicht einverstanden war.

Darby über Mackintosh

Einige interessante Hinweise auf Mackintosh sind in John Nelson Darbys Briefwechsel mit George Vicesimus Wigram zu finden, der letztes Jahr erstmals im Druck erschien2 (die Originale werden im Christian Brethren Archive in Manchester aufbewahrt). Am 8. Mai 1854 schrieb Darby an Wigram:

There is blessing in Ireland, and Macintosh active.3

Im August 1854 leitete Darby eine Anfrage Mackintoshs an Wigram weiter:

Macintosh desires to know the best elementary books to learn Hebrew. I thought you would know them better than me, so I write to you […].4

Mitte Dezember desselben Jahres wusste Wigram zu berichten:

McIntosh is supplying for Miller, who is in Scotland for 10 days, & is lecturing round London meeting rooms.5

Anfang Dezember 1857 hatte Darby von Mackintoshs geplanter neuer Zeitschrift Things New and Old gehört und schrieb darüber aus Gebweiler (Elsass) an Wigram:

I hear you are to have a new periodical by Mackintosh. lt is all well if there are not too many, that makes four. They may reach different classes, and if so it will be a most happy result.6

Im Januar 1862 wurden Mackintoshs Notes on Leviticus in der Zeitschrift The Quarterly Journal of Prophecy attackiert; Darby äußerte sich dazu im Juli wie folgt:

I have no doubt Macintosh has expressed himself unguardedly in his expressions, but the accusing him of denying the true humanity of Christ is simple unrighteousness: he is just as plain and clear as any of us on it. The poor Church people glutton in what attacks brethren and feed on ordure: I am sorry for it but how can one help it? That is all the feeling I have about it. lt is a very bad sign for them.7

1863 kam es erneut zu Angriffen auf Mackintosh; Darby schrieb Mitte August aus Kanada:

I judge Macintosh has been very rash in some of his papers which I had never seen or heard of before, and then words used against it which could also be attacked, as all human language can on such subjects. […] still certainly Macintosh has given occasion, by strong statements on it, to this spirit which has arisen, tho’ that be not the origin.8

1865 fühlte sich schließlich sogar Darby gedrängt, öffentlich gegen eine Schrift Mackintoshs (über Buße) Stellung zu beziehen.9 Er sandte einen entsprechenden Artikel an Wigram für dessen Zeitschrift The Present Testimony, doch Wigram lehnte ab: Für kontroverse Veröffentlichungen dieser Art sei die Zeitschrift nicht gedacht.10 Darbys Kritik wurde Mackintosh jedoch privat zugeschickt, und er nahm sie sofort demütig an.11 In welche Richtung die Kritik ging, wird aus einem Brief Darbys an Wigram von Ende Juni 1865 deutlich:

The last thing I should desire would be to pain dear Macintosh. But the system is one of great importance. What I fear is superficiality and jumping into peace, the conscience unreached. Previous inward work hinders this in Macintosh & others like him, but this is not so with those who receive the doctrine.12

Todesanzeige

Mackintoshs Todesnotiz in der Gloucestershire Chronicle fiel kurz und bündig aus:

1896-11-07 Gloucestershire Chronicle 4 (Mackintosh)
Gloucestershire Chronicle, 7. November 1896, S. 4

150. Geburtstag von Christian Schatz

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Christian Schatz (1869–1947)

Von den meisten Pionieren der deutschen Offenen Brüder liegen bislang keine umfangreicheren Lebensbilder vor; auch Christian Schatz bildet da keine Ausnahme. Anlässlich seines heutigen 150. Geburtstages möchte ich hier wenigstens drei kurze Skizzen veröffentlichen, die sonst noch nicht online zugänglich sind.

Ich beginne mit einem Blatt aus einer als Typoskript überlieferten Chronik der Familien Brackelsberg/Braselmann aus Ennepetal-Milspe:1

In Urach im schönen Württemberg ist Christian Schatz am 6. Oktober 1869 geboren. Er heiratete Anna Osthoff, die ihm aber keine Kinder schenkte.

Christian war Lehrer an einer Mittelschule, trat aber mit etwa 22 Jahren aus der Kirche aus, um einer von Darby gegründeten freikirchlichen Gemeinschaft angehören zu können. Deshalb musste er auch seinen Beruf aufgeben, und so kam er nach Wuppertal-Barmen zu einem Orgelbauer. Später war er Hauslehrer bei Julius und Daniel Brackelsberg und Carl Osthoff, dessen Tochter er ehelichte. Nachdem er zwei Jahre als Soldat in Metz gedient hatte, heiratete er 1893.2

Später war Christian Hausverwalter der Familie Menzel in Düsseldorf, dann Kaufmann in einer Giesserei in Altenvoerde. Nach dem Konkurs dieser Fabrik wurde er Metallwarenvertreter in Bad Homburg.

Christian Schatz war ein sehr ernster Christ, dabei auch in der biblischen Auslegung sehr bewandert. Das zeigt auch, dass er Mitbegründer der „Offenen Brüder“ geworden ist. Nebenbei schriftstellerte er auch.

Am 1. Januar 1947 hauchte Schatz sein vielbewegtes Leben aus. Er starb an Altersschwäche aufgrund der schlechten Ernährungslage in damaliger Zeit. Sein Sterbeort ist Bad Homburg.

Interessant ist hier u.a. die Information, dass Schatz erst mit ca. 22 Jahren zu den „Brüdern“ kam, also etwa 1891/92. Um diese Zeit fanden auf dem europäischen Kontinent gerade die Auseinandersetzungen über die Lehren F. E. Ravens statt. Möglicherweise gehörte Schatz also nie den „Elberfelder Brüdern“ an, sondern trat gleich den Raven-Brüdern bei, deren Zeitschrift Worte der Gnade und Wahrheit er von 1897 bis 1900 in Altenvoerde herausgab (nachdem sich der erste Herausgeber, Max Springer, den Offenen Brüdern zugewandt hatte).

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Ausflug auf die Saalburg anlässlich der Bad Homburger Osterkonferenz 1927; Christian Schatz in der hinteren Reihe rechts

Die zweite Skizze stammt aus der Festschrift zum 60-jährigen Bestehen der Offenen Brüdergemeinde Bad Homburg, die in Schatz’ Todesjahr 1947 erschien. Auf deren Seite 12 heißt es zunächst knapp:

Vom Jahre 1917 an nahm Bruder Schatz, der inzwischen nach Homburg übergesiedelt war, regen Anteil an dem Dienst in der Gemeinde.3

Sechs Seiten weiter wird ausführlicher berichtet:

Am 1. 1. 47 ging Bruder Schatz im Alter von 77 Jahren nach längerer Krankheit heim. Drei Tage vor seinem Tode sang ihm der Gemischte Chor einige Lieder zur Ermunterung, die ihn auch sichtlich erfreuten. Ein arbeitsreiches Leben fand damit seinen Abschluß. Bruder Schatz war durch seine umfassende Schriftkenntnis und seine eiserne Energie über den Rahmen der örtlichen Gemeinde hinaus bekannt und bemühte sich unablässig für das Werk des Herrn, besonders auch für die Brüder in der Mission. Obwohl er selbst kinderlos war, so hatte er doch stets ein warmes Empfinden für die Jugend.

Bei der Vereinigung der verschiedenen Gemeindegruppen war er mithelfend tätig und freute sich, als diese Bemühungen zum Erfolg führten.

Bruder Schatz mußte im November 1945 seine Tätigkeit als Gemeindeleiter krankheitshalber aufgeben. Bruder Friedrich Adolf Zeuner wurde in einer Gemeindeversammlung als Nachfolger gewählt und dient seitdem unserer Gemeinde als Gemeindeleiter in vorbildlicher Treue. Bruder Friedrich Kleemann steht ihm als Stellvertreter zur Seite.4

Mit der „Vereinigung der verschiedenen Gemeindegruppen“ ist natürlich der Beitritt der Offenen Brüder zum BfC (1937) und der Zusammenschluss des BfC mit den Baptisten (1941/42) gemeint. Dass Schatz sich über den letzteren durchaus nicht ganz ungeteilt „freute“, verrät die Festschrift zum 100-jährigen Bestehen der Bad Homburger Gemeinde (1987):

Der gebürtige Württemberger war Lehrer, mußte jedoch diesen Beruf aufgeben, weil er sich der „Christlichen Versammlung“ angeschlossen hatte. Als Privatlehrer in Wuppertal hielt er Kontakt zu den Versammlungen am Ort. 1917 zog er nach Bad Homburg und arbeitete als Industriekaufmann. In die Arbeit der Gemeinde brachte er seine reichen Gaben ein und wurde zu einem der führenden Männer unter den „Offenen Brüdern“ in Deutschland. Zusammen mit Joh. Warns von der Bibelschule in Wiedenest gab er die Zeitschrift „Saat und Ernte“ im Verlag Zeuner heraus. Er war ab 1937 ein überzeugter Förderer des Zusammenschlusses mit den sogenannten „Elberfeldern“, der darbystischen Gruppe unter den Versammlungen. Den Zusammenschluß mit dem Bund der Baptistengemeinden in Deutschland im Jahre 1942 vollzog er zunächst zögernd, dann – um der Einheit der Gemeinde willen – bewußt mit.5

Von Christian Schatz’ Veröffentlichungen hat bruederbewegung.de bisher vier zugänglich gemacht:


200. Geburtstag von Wilhelm Brockhaus

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Wilhelm Brockhaus (1819–1888)

Heute vor 200 Jahren wurde Peter Friedrich Wilhelm Brockhaus, einer der bekanntesten deutschen „Brüder“ der ersten Generation, in Himmelmert bei Plettenberg geboren. Anstelle eines vollständigen Lebensbildes verweise ich hier auf den Wikipedia-Artikel, den ich 2007 über ihn verfasst und heute noch einmal ergänzt habe.

Der Schriftsteller

Anders als bei seinem jüngeren Bruder Carl, mit dem gemeinsam er Ende 1852 den Evangelischen Brüderverein verließ, spielte sich ein großer Teil von Wilhelm Brockhaus’ Wirken auch danach noch außerhalb der Brüderbewegung ab. Er blieb nämlich bis zu seinem Lebensende Schriftleiter des Kinderboten, der Zeitschrift des Elberfelder Erziehungsvereins, und veröffentlichte außerdem in dessen Reihe Saat und Ernte mindestens 15 historische Romane „für die reifere Jugend und ihre Freunde“. Einer davon, Der Burgvogt oder: Feurige Kohlen. Eine Erzählung aus den Zeiten des deutschen Bauernkrieges (ca. 18701), ist als Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek auch online zugänglich.

Die Bände beginnen in der Regel mit einer ausführlichen historischen Einleitung, die beachtliche Kenntnisse verrät und oft durchaus hohe Ansprüche an die jugendlichen Leser stellt. Über Brockhaus’ Arbeitsweise schreibt der FeG-Historiker Gustav Ischebeck (1863–1937):

Dieser Bruder war, so berichtete man uns, auf seinen vielen Reisen meist in seinem schriftstellerischen Geiste so Aug’ und Ohr, daß er anderes ganz vergaß. Wo er auch las, sah, hörte, erzählte oder sich erzählen ließ, war er gebannt und sammelte er. Dabei soll er vielerorten von seinen Reisestücken dies und das so völlig vergessen haben, daß man erst im Familienkreise hernach das Fehlen merkte. Gott segnete seinen Sammelfleiß, der mit einer schönen schriftstellerischen Gabe vereint war. Er hat mit seinem Pfunde treu gedienet!2

Der Elberfelder Erziehungsverein warb mit folgenden Worten für seinen Autor:

Es dürfte für die Jugend kaum etwas Schöneres, Fesselnderes und Gediegeneres geben, wie [sic] diese positiv christlichen Erzählungen, die auch für Jugend-, Jünglings-Vereins- und Volksbibliotheken sehr begehrt sind.3

Aus heutiger Sicht wirkt Brockhaus’ Erzählstil oft etwas pathetisch, wenn nicht prätentiös; ein Romananfang wie etwa der von Der Vater Tim (1862) würde heute wohl nur noch wenige Leser zum Weiterlesen anregen (schon gar keine Jugendlichen):

Wenn man von La Rochelle in Frankreich, der Küste des Ozeans entlang, weiter nach Süden wandert, so genießt das Auge auf beiden Seiten den wunderlieblichsten Anblick. Unter betäubendem Getöse und mit stürmisch wildem Drängen wälzen sich die Schaumwellen der nahen Brandung gegen das felsige Gestade, als ob sie es zu zersprengen und sich einen Durchgang zu brechen gedächten; und während das Auge vergeblich in der ungewissen Ferne einen Rahmen grünender Hügel sucht, der die unruhig wogende Wassermasse zu einem bestimmten Ganzen umschließe, gewahrt man nur hie und da ein schwankendes Fahrzeug, das, einem riesigen Seevogel gleich, der Tiefe zu entsteigen und sich in den Fluten zu schaukeln scheint.4

Der Komponist

Stärker gegenwärtig ist Wilhelm Brockhaus noch als Komponist, denn mindestens 12, möglicherweise sogar 22 Melodien der Kleinen Sammlung Geistlicher Lieder stammen von ihm. Gesichert erscheint seine Urheberschaft an folgenden Kompositionen:5

  • 12 (O Herr, mein Hirt) = 68 (Weit vorgerückt)
  • 16 (Es kennt der Herr die Seinen) = 28 (O Jesu, treuer Hirte)
  • 25 (O Gott, an Deiner Gnade) = 51 (Herr, lenke unsre Herzen) = 63 (Du brachst des Todes Bande)
  • 43 (Nichts, o Jesu, finde ich hienieden)
  • 66 (Du bist, o Herr, gegangen) = 86 (O Vater, reich gesegnet)
  • 76 (Ich walle in der Fremde)
  • 78 (Auf dem Lamm ruht meine Seele) = 122 (Gott, Dich würdig zu verehren)
  • 96 (Still’, o Jesu, das Verlangen) = 123 (Nur bei Jesu möcht’ ich weilen)
  • 97 (Du, o Herr, bist unser Leben) = 113 (Lieblich ist’s, bei Dir zu wohnen)
  • 102 (Dank, Anbetung sei geweihet) = 118 (Süßer Trost! der Herr wird kommen)
  • 103 (Alles sei Dir übergeben) = 114 (Guter Hirte! welch Erbarmen)
  • 110 (Bilde unsre Herzen)

Bei nachstehenden Melodien, die ihm traditionell ebenfalls zugeschrieben werden, setzt die aktuelle Ausgabe der Kleinen Sammlung Geistlicher Lieder ein Fragezeichen hinter seinen Namen:

  • 6 (Du, Herr, hast unsre Schuld gesühnt)
  • 13 (Wo ist ein Vater, Gott, wie Du)
  • 19 (Jesu Du, Jesu Du!)
  • 44 (Ich sehne mich nach Dir)
  • 49 (Durch eine Wüst’ ich reise)
  • 53 (O lasset uns lobsingen ) = 77 (Herr Jesu Christ, mein Leben)
  • 82 (Jesu, Quelle unsrer Freuden)
  • 85 (Dein Erlösungswerk auf Erden)
  • 89 (Wer findet Worte, Dir zu danken) = 99 (Was sichtbar, zeitlich ist auf Erden) = 117 (Von Deiner Gnade will ich singen)
  • 108 (Freudig ziehen, voll Verlangen) = 116 (Nicht mehr lange – sel’ge Worte)

Zu fünf Liedern verfasste Wilhelm Brockhaus den Text:

Drei, wenn nicht vier Lieder können also – von möglichen herausgeberischen Eingriffen seines Bruders Carl abgesehen – vollständig als Schöpfungen Wilhelm Brockhaus’ gelten: die Nummern 113, 114, 118 und ggf. 99.


200. Geburtstag von Michael Laseron

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Michael Laseron (1819–1894)

Der Name des heutigen Jubilars wurde von Massimo Introvigne für sein Buch The Plymouth Brethren (2018) ausgegraben.1 Um nachzuweisen, dass die „Brüder“ von Anfang an karitativ tätig gewesen seien, führt er eine Reihe von Beispielen aus dem 19. Jahrhundert an – neben Lady Powerscourt und John Blackmore eben auch Michael Laseron (aber erstaunlicherweise nicht Georg Müller). Introvigne schreibt:2

Dr Michael Laseron, a converted Jew from Germany who later joined the so-called ‘Open’ Brethren, after having been active in charitable relief work during the Franco-Prussian War, led a team of his nurses to Serbia during the Turkish-Serbian conflict of 1876. There, he attracted some criticism for his even-handed approach to the wounded of both sides, as some felt he should not have helped injured Turks too. Later, he founded a hospital and an orphanage in London.5

5. See Brian Best and Katie Stossel, Sister Janet: Nurse and Heroine of the Anglo-Zulu War 1879, ed. Adrian Greaves (Barnsley, South Yorkshire: Pen & Sword Military, 2006), 42–45.

Über Michael Maximilian August Heinrich Laseron – so sein vollständiger Name – liegen einige historische Lebensbilder vor; das informativste von ihnen, einen Auszug aus John Dunlops Memories of Gospel Triumphs among the Jews during the Victorian Era (1894), habe ich aus Anlass seines 200. Geburtstages auf bruederbewegung.de wiederveröffentlicht. Dass Laseron den Offenen Brüdern angehörte, wird darin zwar nicht ausdrücklich erwähnt, lässt sich aber der Tatsache entnehmen, dass seine Beerdigungsfeier in der Clapton Hall stattfand und die Offenen Brüder John Galway M‘Vicker und Charles Russell Hurditch die Traueransprachen hielten. Auch die beiden von Introvigne berichteten Kriegsepisoden fehlen bei Dunlop; der Schwerpunkt liegt hier eher auf Laserons Armen-, Waisen- und Diakonissenarbeit (die er übrigens nicht erst nach 1876 begann, wie Introvigne behauptet, sondern bereits in den 1850er Jahren).3

Eine Kurzbiografie Laserons findet sich auch auf der Website Who Has Believed.

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Eintrag Laserons im National Probate Calendar 1894

200. Geburtstag von William Collingwood

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William Collingwood (1819–1903)

Besuchern der Website bruederbewegung.de ist der Name William Collingwood bestens bekannt: Seine Broschüre The Brethren: A Historical Sketch (1899), eine wichtige Darlegung des „offenen“ Standpunkts, gehört bereits seit dem ersten Tag zu unserem Download-Angebot (im „Brethren Archive“ gibt es inzwischen auch ein Faksimile des Originals).1 Größere Werke scheint Collingwood nicht publiziert zu haben (das CBA nennt nur noch das Büchlein Man’s Future, in God’s Word [1871] und zwei Separatdrucke von Zeitschriftenaufsätzen); sein Schwerpunkt lag auf einem anderen – und für „Brüder“-Kreise eher ungewöhnlichen – Gebiet: Er war Künstler, vor allem Aquarellmaler. Als solcher genießt er auch in säkularen Kreisen noch eine gewisse Bekanntheit; so ist ihm und drei weiteren Künstlern aus seiner Verwandtschaft die Website Collingwood Art gewidmet, auf der sich u.a. ein Lebensbild und auch einige Gemälde von ihm befinden.

Leben

Anstelle einer eigenen biografischen Skizze zitiere ich hier den von Roy Coad verfassten Artikel aus dem Blackwell Dictionary of Evangelical Biography:

Collingwood, William (b. Greenwich, London, 23 April 1819; d. Bristol, England, 25 June 1903). Watercolourist and Brethren leader. Grandson of Samuel2, printer to Oxford University. Collingwood was educated privately and at the Cathedral School, Oxford. He specialized in ‘baronial interiors’ and in landscape (especially mountain scenery, his chief love). In 1839 he settled in Liverpool, where he became a member of the academy, and was elected to the Royal Society of Painters in Watercolours in 1855. In 1844 he started a Brethren congregation, later building them a hall, and leading them for forty years. A close friend of George Müller, he moved to Bristol in 1890, becoming a member of the Bristol Academy. He was a friend of John Ruskin, his son being Ruskin’s private secretary and biographer; his grandson was R. G. Collingwood, the Oxford philosopher and archaeologist.3

Einige weitere Einzelheiten aus Collingwoods Leben überliefert das anonyme Kapitel über ihn in Henry Pickerings Chief Men among the Brethren. Erwähnenswert ist, dass er mit einer deutschsprachigen Schweizerin verheiratet war, nämlich mit Marie Elisabeth Imhoff (* 11. Juni 1826; † 16. Mai 18734), der Tochter eines Notars aus Arbon am Bodensee (Thurgau). Sie hatten die drei Kinder William Gershom (1854–1932), Sophia Ruth (1856–1937) und David (1858–1899).5

Nachruf

Collingwoods Tod im Jahr 1903 fand in den Zeitungen erstaunlich wenig Beachtung. Ich gebe hier einen (leider schwer lesbaren) Nachruf aus der Yorkshire Post wieder:

1903-07-03 The Yorkshire Post 8 Obituary (Collingwood)
The Yorkshire Post, 3. Juli 1903, S. 8

150. Todestag von Friedrich Bialloblotzky

railtonÜber das wechselvolle Leben des heutigen Jubilars liegt seit 2002 eine wissenschaftliche Monografie vor,1 in der seine kurze Verbindung mit den „Brüdern“ allerdings nicht erwähnt wird. Noel nennt ihn einen „Polish Rabbi“2 (was Rowdon und Ouweneel übernehmen3), aber tatsächlich war Christoph Heinrich Friedrich Bialloblotzky weder Pole noch Rabbiner: Seine Familie hatte zwar ursprünglich polnische Wurzeln, lebte aber bereits seit Generationen in Deutschland und war protestantisch.4

Zur groben Orientierung fasse ich Bialloblotzkys Leben zunächst in einer Zeittafel zusammen (mehr Einzelheiten und ein Publikationsverzeichnis bietet der Artikel im BBKL):

  • 9. April 1799: Geburt Bialloblotzkys in Pattensen bei Hannover als Sohn eines lutherischen Superintendenten
  • 1818–22 Theologiestudium in Göttingen; Kontakte mit erweckten Kreisen
  • ab 1824 Privatdozent an der Universität Göttingen und Hilfsgeistlicher an St. Jacobi
  • 1825 erste Reise nach England; Kontakte mit Freikirchlern wie Robert Haldane, James Alexander Haldane und Henry Drummond
  • ab 1826 – parallel zu den beiden Anstellungen in Göttingen – Agent der Wesleyan Methodist Missionary Society
  • Konflikte mit rationalistischen Theologen und Kirchenleitern
  • 1827 Abberufung von beiden Göttinger Stellen, danach erneuter Englandaufenthalt
  • 1828–31 Missionar der Wesleyan Methodist Missionary Society in Zakynthos (Griechenland) und Alexandria (Ägypten)
  • ab 1831 Leiter der Hebrew Institution in Camden Town (London)
  • 1833–43 Mitarbeit an der Englishman’s Hebrew and Chaldee Concordance to the Old Testament von George Vicesimus Wigram
  • ab 1836 mehrere Teilzeitstellen als Sprachlehrer (Hebräisch, Deutsch, Griechisch, Latein), u.a. an der Forest Proprietary Grammar School, an der City of London Corporation School und am Cheshunt College
  • 1837 erfolglose Bewerbung um eine Professur für Deutsch am University College London
  • 1848–49 Expeditionsreise zur Erforschung der Nilquellen; Abbruch aus finanziellen Gründen in Sansibar
  • danach mehrere Jahre ungeklärter Verbleib
  • ab 1854 wieder zeitweise Privatdozent an der Universität Göttingen
  • 28. März 1869 (heute vor 150 Jahren): Tod Bialloblotzkys im Haus seiner Schwester Marie in Ahlden an der Aller

Bialloblotzky und die „Brüder“

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Titelblatt der Kondordanz (1843)

Welcher Art und wie eng Bialloblotzkys Beziehungen zu den „Brüdern“ waren, liegt bisher noch weitgehend im Dunkeln. George Wigram, an dessen Hebräisch-Konkordanz Bialloblotzky offenbar maßgeblichen Anteil hatte5 (Noel nennt ihn „the principal Editor“6), wird in Railtons 250-seitiger Monografie nur zweimal nebenbei erwähnt;7 ein Zusammenstoß zwischen Bialloblotzky und Benjamin Wills Newton in den Anfangstagen der Londoner „Brüder“-Versammlung fehlt bei Railton ganz. Newton erzählt diesen Vorfall in seinen Erinnerungen dreimal; da diese Textstellen bisher noch nie vollständig zitiert worden zu sein scheinen, gebe ich sie hier in ganzer Länge wieder:

I was at the first meeting of Brethren in London. The diversity at Plymouth ultimately caused Wigram to leave and go to London. I happened to be near London when he had arranged his first meeting; and he sent his man-servant with his gig begging me to come & take charge of the meeting as he was taken suddenly ill. – I couldn’t go & see him in his bed, so I concluded the order was the same as we were accustomed to in Plymouth. It was in a private room near Regent Square and about 15 people, I suppose were present. As I had no instructions about procedure, I began the Meeting and soon after the commencement a gentleman came in with books. He was a Professor at University, Bialloblowski. After I had done, he rose & said that what we came for was discussion: we all differed, & the need was that we should investigate what truth was, by discussing it. I rose and said that I didn’t know what Mr. Wigram had arranged, but I could not accept that idea for a moment. Then I explained what my principles as to teaching were. –

He burst out with “Oh, those are your notions, are they? They are not mine. Then I’ll have nothing to do with it” And he left in anger: his wife went into hysteries. – A fine confusion.8

Der zweite Bericht ist in der 3. Person verfasst, stammt also offenbar von Newtons Protokollanten Frederick William Wyatt:

Wigram meanwhile had left for London and BWN saw nothing of the London meetings till 1833, when, being there, Wigram asked him to take some meeting in Titchfield Street as he himself was ill. – So N went, alone, and knowing no one. – He found that the meetings there had only just been started – in fact this was but the second sunday. – He took his seat and conducted the meeting as was usual in Devonshire but a gentleman who had come with Lexicon & Concordance protested against the monopoly. – He said it was not a teaching meeting but a searching or Berean meeting; & on BWN affirming that he was there as representing the principles that he believed Wigram held, the other gathered up his books & left.9

Zeigen sich schon hier leichte Abweichungen im Detail, so ist dies im dritten Bericht noch stärker der Fall:

Wigram asked me up to his meeting in London. [I think BWN said Wigram was ill & wrote for him to come. Ø] I went. –

Somebody rose & spoke first, & said “Ye may all prophesy one by one – etc.” and so on. – I rose afterward and said that this was entirely different from what I had understood, & from what Mr. Wigram had approved at Plymouth. – Also that the passage meant that prophets might all prophesy, but of course nobody but a prophet could do so. –

I had noticed a gentleman & lady come in with several big books (Lexicon & Concordance they were) which he placed on the table. His name was Bialloblotsky I found. He rose in a very excited manner, when I was saying that, & gathered up his books  & left. – His wife fainted & it made quite a little upset. – He was a professor of Languages in London.10

Da diese Erinnerungen Jahrzehnte nach den Ereignissen aufgezeichnet wurden, ist es nicht verwunderlich, dass sich leichte Abweichungen und auch Fehler eingeschlichen haben. Die Jahreszahl 1833 beispielsweise kann nicht stimmen, da Bialloblotzky in diesem Jahr noch gar nicht verheiratet war; erst am 5. April 1834 schloss er eine Ehe mit der Engländerin Sarah Maria Batley (1802–1866).11 Mithin ist auch fraglich, ob es sich wirklich um die erste oder zweite Zusammenkunft Wigrams in London gehandelt haben kann (vielleicht nur in diesem Raum?). Bialloblotzky war ferner kein „Professor at University“, sondern scheint von der University of London lediglich zeitweise als externer Prüfer für Deutsch herangezogen worden zu sein.12 Dennoch sind die Grundzüge des Vorfalls deutlich genug erkennbar, und es besteht kein Grund, an seiner Historizität zu zweifeln.

Ob Bialloblotzky später noch einmal einen Versuch gemacht hat, an den Zusammenkünften der „Brüder“ teilzunehmen, oder ob sich seine Beziehung zu ihnen von nun an auf die Mitarbeit an Wigrams Konkordanz beschränkte, ist unbekannt.

Anhang: Bialloblotzkys Ehe

Bialloblotzkys Auseinandersetzung mit Newton deutet auf ein reizbares, ungestümes Temperament hin, und tatsächlich finden sich dafür in seiner Biografie noch weitere Beispiele. Das gravierendste ereignete sich 1848 und war der Grund für den wohl größten Bruch in Bialloblotzkys Leben – die unvermittelte Abreise in Richtung Nilquellen, die keinerlei Bezug zu seinen vorherigen Tätigkeiten und Interessen erkennen lässt.

Was war geschehen? Die Leser der Londoner Evening Mail erfuhren es am 16. Juni 1848:

1848-06-16 Evening Mail, London 3 (Bialloblotzky divorce)
Evening Mail, 16. Juni 1848, S. 3

Schuldig geschieden wegen häuslicher Gewalt – damit hatte sich Bialloblotzky jede berufliche Perspektive in England verbaut.13 Er kehrte ins heimatliche Pattensen zurück und brach noch im selben Jahr in Richtung Afrika auf, finanziell unterstützt von seinem englischen Freund Charles Tilstone Beke. Ob er seine Frau je wiedergesehen hat, ist nicht bekannt; sie starb drei Jahre vor ihm, am 24. Juli 1866, in Shere (Surrey) südwestlich von London.

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Einträge im National Probate Calendar 1872

200. Geburtstag von John Leche Kraushaar

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John Leche Kraushaar (1819–1899)

Der heutige Jubilar wird meines Wissens in keiner Geschichte der Brüderbewegung erwähnt, aber in Julius Anton von Posecks Christus oder Park-Street? (1882). Er gehörte wie Poseck zu den Gegnern der „Haus(halts)taufe“ und gab offenbar eine Zeitschrift mit dem Titel The Occasional heraus, in der er geharnischte Kritik an dieser Taufpraxis übte. Poseck zitiert bzw. übersetzt daraus mehrere Seiten; hier einige Kostproben:

Sogar solche, die Christum offen verwerfen, sollen getauft werden, wenn sie zu dem Haushalt gehören, und sich (der Taufe) unterwerfen wollen; ja sogar „Trunkenbolde“, da ja der H. Geist innerhalb des Kreises der Getauften wohnt und wirksam ist, und alle die außerhalb sind, sich im Gebiete des Teufels befinden! […]

Ich kann nicht umhin, an die schreckliche Verantwortlichkeit derjenigen zu denken, die ihre unbekehrten Dienstboten durch ein äußerliches Bekenntniß zu „Christen“ machen, da ich sehe, wie der H. Geist die Verherrlichung Gottes mit diesem Namen verknüpft hat. […]

Jedes äußere Bekenntniß muß entweder ächt oder unächt sein. Wenn es ächt ist, so giebt es keine Schwierigkeit. Wenn es unächt ist, so muß eins von beiden der Grund davon sein. Entweder ist der Bekenner betrogen worden, oder er ist ein Betrüger oder Heuchler. O, wer zählt die Namen der so Betrogenen, sterbend und zur Hölle gehend! Wer sollte bei dem Gedanken an sie nicht blutige Thränen weinen! Da man sie gelehrt hat, daß sie durch die Taufe zu Christen gemacht worden sind und sich in der Kirche Gottes befinden, so glauben sie leicht, was sie gern für wahr halten möchten, um ihr Gewissen zu beruhigen. Was verstehen solche von den durch Menschen gemachten Unterscheidungen zwischen „dem Haus“ und „dem Leib?“

Solch ein armes Mädchen war in einer Bibelstunde zugegen gewesen, wo man diese Verfertigung von Christen mittelst der Taufe gelehrt hatte. Und als eine betagte, um des Mädchens Seelenheil sehr bekümmerte Schwester mit ihr über diesen Gegenstand sprach, sagte das Mädchen zu ihr: „Ich bin ebenso gut eine Christin wie Sie. Herr … hat uns dies in der Bibelstunde gesagt. Jeder der gechristet (getauft) ist, ist ein Christ. Daher brauchen Sie sich um mich nicht zu kümmern.“

Ach! diese armen Seelen glauben was man ihnen sagt, und besänftigen ihr wundes Gewissen mit dieser schmeichelnden Salbe. Und so fahren sie dahin in die Ewigkeit mit dieser Lüge in ihrer rechten Hand!1

Hat sich die Brüdergeschichtsschreibung bisher kaum mit Kraushaar beschäftigt, so liegen immerhin doch einige familiengeschichtliche Erkenntnisse über ihn vor, darunter ein von seiner Enkelin Grace Ermyntrude Clist (1886–1974) verfasstes Lebensbild, ein übersichtliches Kurzporträt und eine Geschichte seiner Familie. Demnach wurde Kraushaar am 4. Februar 1819 – heute vor 200 Jahren – im Londoner Vorort Stepney als Enkel eines deutschen Einwanderers geboren, studierte Griechisch und Latein, wurde zunächst Lehrer, dann Mitarbeiter der Londoner Stadtmission und schloss sich 1858 den „Brüdern“ an. In den folgenden Jahrzehnten zog er mit seiner Familie viel um, wirkte als Reiseprediger, schrieb einige Bücher (online verfügbar ist The Tabernacle in the Wilderness, 18732) und gab die oben genannte, offenbar verschollene Zeitschrift heraus. In den Auseinandersetzungen um Ryde und Ramsgate stellte er sich 1881 vermutlich auf die Seite Kellys. Am 4. April 1899, genau zwei Monate nach seinem 80. Geburtstag, starb er in West Buckland (Somerset).


100. Todestag von Jean Emil Leonhardt

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Jean Emil Leonhardt (1853–1918)

Heute vor 100 Jahren starb Jean Emil Leonhardt, der Gründer der Offenen Brüdergemeinde in Bad Homburg. Die Frankfurter Neue Presse (bzw. deren Regionalausgabe Taunus-Zeitung) gedenkt dieses Ereignisses durch eine zweiteilige Artikelserie der trotz ihrer 93 Jahre noch immer sehr rührigen Bad Homburger Stadthistorikerin Gerta Walsh, die bereits 2012 einen Artikel zum 125-jährigen Jubiläum der EFG Bad Homburg und 2014 zwei Artikel über die Aktivitäten Jean Emil Leonhardts und Friedrich Kleemanns im Ersten Weltkrieg verfasst hatte.

Die aktuelle Serie enthält einiges an bisher unbekannten Informationen:

  • Leonhardts genaues Geburtsdatum (25. Oktober 1853) wird hier meines Wissens zum ersten Mal veröffentlicht.
  • Laut Walsh erwarb Leonhardt 1883 die britische Staatsbürgerschaft und pendelte bis 1900 zwischen England und Deutschland hin und her (Letzteres erscheint mir allerdings etwas zweifelhaft, da ab 1886 kontinuierliche Gemeindeaktivitäten in Bad Homburg belegt sind, wie ich demnächst noch zu zeigen hoffe).
  • Aus der 1897 geschlossenen Ehe mit Ida Schneider gingen fünf Söhne und drei Töchter hervor.

Die von Walsh beschriebenen geschäftlichen Aktivitäten Leonhardts sind für Freunde der Bad Homburger Stadtgeschiche vielleicht interessanter als für Brüderhistoriker; Letztere werden allerdings den Schluss der Artikelserie zu würdigen wissen:

Am 11. Oktober 1917 musste er sich einer Operation unterziehen, deren Ausgang ungewiss war. Damals spürte er den „Schatten des Todes“. Zu Herzen gehend ist der Brief, den er am Vorabend dieses Tages seiner Frau und den Kindern schrieb. Darin spiegelte sich sein tiefes Gottvertrauen, und Leonhardt verband die Nachricht zugleich mit der Mahnung an seine Lieben, stets an die Mitmenschen zu denken, denen es im Leben nicht so gut ging wie ihm und seiner Familie. Hier fand er Worte, die seine Lebenshaltung ausdrückten: „Gedenke der Armen, der Waisen, der Brüder die in Noth sind und des ganzen Werkes des Herrn. Er hat uns so reichlich gesegnet, deshalb thue deine Hand weit auf und verschließe dein Herz nicht. Alles war und ist nur anvertrautes Gut. Ich wünsche keine Lobreden, keine Blumen.“

Diese Operation überlebte er, doch am 24. August 1918 starb Jean Emil Leonhardt nach langem Leiden und fand auf dem evangelischen Friedhof am Untertor seine letzte Ruhestätte.

Um „Lobreden“ geht es auch in diesem Blog nicht, aber eine sachliche Biografie dieses nur noch wenig bekannten Pioniers der deutschen Offenen Brüder würde sich sicher lohnen!