Schlagwort-Archiv: Charles Stanley

Neuerscheinungen zur Brüderbewegung 2021

Auch am Ende dieses Jahres möchte ich wieder die in den letzten zwölf Monaten erschienenen Veröffentlichungen zur Brüderbewegung übersichtlich zusammenstellen und kurz kommentieren bzw. einordnen.

In drei frühere Bibliografien habe ich inzwischen noch Nachträge aufgenommen:

  • 2020: Bücher von Cotherman, Hall und Plant; Aufsätze von Ice, Jensen, Maghenzani und Styler
  • 2019: Bücher von Arnot und Cleeves
  • 2017: Buch von Aebi-Mytton; Aufsatz von Thomas

BÜCHER


Kevin Cockburn: The Tattooed Saint. Born into a Cult. Belfast (Maurice Wylie Media) 2021. 249 Seiten. ISBN 978-1-8384838-5-2.

Der Boom der Raven-Taylor-Symington-Hales-Aussteigerbiografien setzt sich fort. Kevin Cockburn, 1973 geboren und in Liverpool aufgewachsen, geriet nach seinem Ausstieg in Drogen und Kriminalität und fand im Gefängnis wieder zum christlichen Glauben zurück.


Jaime Fernández Vázquez: Historia de un Pueblo. Un Pueblo con Historia. Barcelona (Abba Distribuidora Cristiana) 2021. 287 Seiten. ISBN 978-84-18577-42-0.

Geschichte der „Brüder“ im nordwestspanischen Ort Infesta (Provinz Ourense, Galicien).


Gilbert A. Gleason: Love So Amazing. The Missionary Biography of Bert and Colleen Elliot. Foreword by Randy Alcorn. Ohne Ort (Selbstverlag/Amazon) 2021. 291 Seiten. ISBN 978-1-7369174-0-4 (Hardcover), 978-1-7369174-1-1 (Paperback), 978-1-7369174-2-8 (Kindle).

Herbert „Bert“ Elliot (1924–2012) war der ältere Bruder des besser bekannten Jim Elliot, der 1956 in Ecuador von Waorani-Indianern getötet wurde. Auch Bert ging mit seiner Frau Colleen (1928–2012) in die Mission und arbeitete von 1949 bis 2005 in Peru, wo sie etwa 158 Offene Brüdergemeinden gründeten. Das Buch ist außerhalb der USA offenbar nur als Kindle-Version bestellbar.


Tim Grass: Brethren and Their Buildings. Studies in Brethren History. Glasgow (Brethren Archivists and Historians Network) 2021. x, 253 Seiten. ISBN 978-1-9160130-6-3.

Großformatiger Bildband mit kommentierten Farbfotos von Versammlungsgebäuden der „Brüder“ (verschiedener Richtungen) auf den britischen Inseln.


Blanquita Haggerty: From Glasgow to the Andes. The life and work of Frank and Blanquita Haggerty. Kilmarnock (Ritchie) 2021. 205 Seiten. ISBN 978-1-914273-04-9.

Der aus Glasgow stammende Frank Haggerty (1926–2003) arbeitete ab 1951 als Missionar in Bolivien, später auch in Argentinien. Seine Frau Blanquita (1931–2021), die dieses Erinnerungsbuch verfasste, sein Erscheinen aber nicht mehr erlebte, war Bolivianerin.


Sam K. John: Brethren Beginnings in Kerala. A Reformation Story. Bangalore (Operation Barnabas) 2021. 100 Seiten. Ohne ISBN.

Geschichte der Kerala Brethren, eines eigenständigen Zweigs der Offenen Brüder in Südwestindien. Das Buch, zu dem u.a. Neil Dickson ein Vorwort beisteuerte, ist in Deutschland offenbar nur als Kindle-Version bestellbar.


Clark Logan: Joy in the Desert. 50 Years of Gospel Blessing in Botswana. Kilmarnock (Ritchie) 2021. 280 Seiten. ISBN 978-1-914273-03-2.

Die erste Offene Brüdergemeinde in Botswana wurde 1970 gegründet; seither sind fünf weitere hinzugekommen. Der nordirische Missionsarzt Clark Logan erzählt ihre Geschichte.


Ken Newton: ‘I Will Build My Church’. The Kollegal Mission 1886–1995. Studies in Brethren History, Subsidia. Glasgow (Brethren Archivists and Historians Network) 2021. 180 Seiten. ISBN 978-1-9160130-4-9.

Missionsgeschichte der Offenen Brüder in der südindischen Region Kollegal. Mit 39 Fotos und drei Karten.


Adrian J. Patmore: Came Out … Kicked Out. Living in and out of the Exclusive Brethren. Underwood, Australien (InHouse Publishing) 2021. v, 330 Seiten. ISBN 978-1-922578-67-9.

Eine weitere Raven-Taylor-Symington-Hales-Aussteigerbiografie. Patmore, 1968 in London geboren, outete sich nach zehn Jahren Ehe und der Geburt von fünf Kindern als homosexuell, was unweigerlich die Trennung von seiner Glaubensgemeinschaft nach sich zog.


Jessie Shedden: Make Today Count. Ohne Ort (Selbstverlag/Amazon) 2021. 205 Seiten. ISBN 979-8-45321953-7.

Fortsetzung von Tomorrow’s Not Promised (2020), einem in der letzten Bibliografie vorgestellten Raven-Taylor-Symington-Hales-Aussteigerbuch.


elliotshepardValerie Elliot Shepard: Dir hingegeben. Jim und Elisabeth Elliot: Eine Liebe im Angesicht Gottes. Aus dem Englischen von Silvia Lutz. Holzgerlingen (SCM Hänssler) 2021. 448 Seiten. ISBN 978-3-7751-6063-6.

Die amerikanische Originalausgabe dieses Buches habe ich bereits in der 2019er Bibliografie kurz vorgestellt. Wolfgang Bühne rühmt die deutsche Übersetzung als „großartige Neuerscheinung“, die Jim Elliots Tagebuchklassiker Im Schatten des Allmächtigen „ebenbürtig“ sei. Die Herausgeberin habe die Briefe und Tagebücher ihrer Eltern „so liebevoll, respektvoll und auch weise kommentiert, dass man dieses wertvolle Buch nur mit großer Dankbarkeit und geistlicher Erfrischung und Belebung lesen kann“ (fest und treu 4/2021, S. 21f.).


Regina Steinmeister: Ein Leben im Glauben. Aus dem Leben von Andreas Steinmeister. Bielefeld (CLV) ²2021. 172 Seiten. ISBN 978-3-86699-660-1.

Andreas Steinmeister (1950–2018), im Brotberuf Lehrer und Schulleiter, war in den Kreisen der Geschlossenen und später der Blockfreien Brüdergemeinden als Bibellehrer und Autor weithin bekannt und geschätzt. Die von seiner Witwe zusammengestellte erbauliche Biografie ist als „2. Auflage“ gekennzeichnet; eine 1. Auflage scheint aber zumindest auf dem regulären Buchmarkt nicht erhältlich gewesen zu sein.


Neil Summerton: Charisma and Organization. Unresolved Tensions In The Brethren. Studies in Brethren History, Subsidia. Glasgow (Brethren Archivists and Historians Network) 2021. 123 Seiten. ISBN (falsch, da schon einmal vergeben) 978-1-9160130-2-5.

Studien zur Haltung der britischen Offenen Brüder gegenüber Organisationen und Institutionen.


Todne Thomas: Kincraft. The Making of Black Evangelical Sociality. Religious Cultures of African and African Diaspora People. Durham, NC / London (Duke University Press) 2021. xi, 252 Seiten. ISBN 978-1-4780-1065-4 (Hardcover), 978-1-4780-1178-1 (Paperback).

Kulturanthropologische Studie über zwei afroamerikanische Offene Brüdergemeinden in Atlanta, Georgia (Dixon Bible Chapel, Corinthian Bible Chapel). Erste Ergebnisse erschienen bereits 2017 in einem Aufsatz (vgl. die damalige Bibliografie).


warns_ae1Hartmut Wahl (Hrsg.): Aufzeichnungen und Erinnerungen von Johannes Warns (1874–1937). Band 1: 1874–1918. Von Osteel bis Berlin. edition Forum Wiedenest. Muldenhammer (Jota) 2021. 577 Seiten. ISBN 978-3-935707-95-4. — Band 2: 1919–1937. In Wiedenest. edition Forum Wiedenest. Muldenhammer (Jota) 2021. 603 Seiten. ISBN 978-3-949069-00-0.

Johannes Warns war eine der prägenden Figuren der deutschen Offenen Brüder. Als lutherischer Pfarrerssohn studierte er zunächst selbst Theologie, konnte sich nach einem Bekehrungserlebnis aber nicht zum kirchlichen Dienst entschließen und wurde nach Stationen bei der Heilsarmee und beim Blauen Kreuz 1905 Lehrer an der Allianz-Bibelschule Berlin, die 1919 unter seiner Leitung nach Wiedenest umzog. Seine handschriftlichen „Aufzeichnungen und Erinnerungen“, von Hartmut Wahl in jahrelanger mühevoller Arbeit transkribiert und mit erläuternden Anmerkungen versehen, sind eine erstklassige Quelle für die immer noch wenig erforschte Geschichte der deutschen Offenen Brüder, aber auch der Allianzkreise insgesamt. Wegen einiger problematischer Äußerungen über Hitler und den Nationalsozialismus ist dem zweiten Band ein Nachwort des heutigen Wiedenester Werksleiters Ulrich Neuenhausen beigegeben. Ein Inhaltsverzeichnis fehlt leider, und das Personenregister ist arg unübersichtlich geraten.


Jonathan Walker: The Angels of L19. Ohne Ort (Weatherglass Books) 2021. 239 Seiten. ISBN 978-1-8380181-3-9.

Autobiografisch gefärbter Roman, der 1984 unter den Offenen Brüdern in Liverpool spielt.


weremchuk_biographyMax S. Weremchuk: John Nelson Darby. A Biography. Updated and Expanded. El Cajon, CA (Southern California Seminary Press) 2021. 232 Seiten. 978-0-9864442-6-5.

Weremchuks Darby-Biografie, 1988 zuerst auf Deutsch, 1990 auf Niederländisch und 1992 auf Englisch erschienen, hat sich über die Jahre bei vielen den Ruf eines Standardwerks erworben und wird nach wie vor regelmäßig zitiert; aus der „Fachwelt“ musste sie sich aber auch deutliche Kritik gefallen lassen, so z.B. von Timothy Stunt in der ersten Ausgabe der BAHN Review (1998/99). Nachdem sich der Autor in den 1990er Jahren von der Brüderbewegung entfernt hatte, nahm auch sein Interesse an Darby und an einer möglichen Revision der Biografie ab, bis es vor einigen Jahren durch verschiedene Umstände wieder neu geweckt wurde. So liegt nun nicht nur eine überarbeitete und erweiterte Ausgabe des ursprünglichen Buches vor, sondern nächstes Jahr ist beim selben Verlag auch noch eine weitere, detailliertere akademische Studie über die ersten 29 Lebensjahre Darbys zu erwarten (Titel: Becoming JND).


Paul Young: From Norwich to Aberystwyth. The Life and Work of Professor John Heading. Port Colborne, ON (Gospel Folio Press) 2021. 106 Seiten. ISBN 978-1-98862732-8.

John Heading (1924–1991) war ein britischer Mathematiker, der den Offenen Brüdern angehörte und 1961–86 die Zeitschrift Precious Seed herausgab. Er verfasste auch die Kommentare zum Matthäus- und zum Johannesevangelium in der Reihe Was die Bibel lehrt (CV Dillenburg).


AUFSÄTZE


cesnur_5_2Das im März erschienene Heft 2/2021 der religionswissenschaftlichen Zeitschrift The Journal of CESNUR (die Abkürzung steht für das „Centro Studi sulle Nuove Religioni“ in Turin) war ganz den Raven-Taylor-Symington-Hales-Brüdern (seit 2012 offiziell „Plymouth Brethren Christian Church“) gewidmet. Die einzelnen Beiträge:

Bernard Doherty / Steve Knowles / Massimo Introvigne: „Introduction: The Study of the Plymouth Brethren Christian Church (S. 3–17)
Crawford Gribben: „Brethren and Separation (S. 18–36)
Neil T. R. Dickson: „The Exclusive Brethren in Scotland: A Historical Overview, 1838–2018 (S. 37–66)
Peter J. Lineham: „Why the New Zealand Plymouth Brethren Intervened in Politics in 2005 (S. 67–91)
Steve Knowles: „The Appropriation of Information and Communication Technologies by the Plymouth Brethren Christian Church (S. 92–112)
Mitchell Landrigan: „Parenting Orders for Brethren Families in Australia: The Religious Perspective of Children (S. 113–134)
Liselotte Frisk / Sanja Nilsson: „The Plymouth Brethren Christian Church in Sweden: Child Rearing and Schooling“ (S. 135–160)

Von allgemeinerem Interesse sind insbesondere die Aufsätze von Gribben (über die Entwicklung der „exklusiven“ Absonderungslehre) und Dickson (über die Geschichte der Geschlossenen Bruder in Schottland). Das Heft ist auch online verfügbar.


bhr2018Ausgabe 17 (2021) der Brethren Historical Review enthält (neben etlichen Rezensionen) die folgenden Beiträge:

Timothy C. F. Stunt: „James Pringle Riach (1797–1865) and other early Plymouth Brethren (S. 2–24)
R[ichard] B[roke] Freeman and Douglas Wertheimer: „Emily Gosse: A Bibliography (S. 25–78)
Cynthia Hill: „‘Servant of Christ and His People Everywhere’. George Cutting 1843–1934: His Life, Work, and Times (S. 79–99)
P[aul] David Wilkin: „Deep in the Heart of Africa: An Annotated Bibliography of Literature on the Beloved Strip in Zambia (S. 100–124)
Ronaldo Magpayo: „In Search of Meaning: A Contextual Interpretation of the Lord’s Supper from an Indigenous Filipino Perspective (S. 125–147)
Michael Schneider: „New Writing on Brethren History (S. 148–156)
Michael Schneider: „August Jung (1927–2020) (S. 208–213)

Für deutsche Leser dürfte besonders der Artikel von Hill über George Cutting interessant sein, dessen Schrift Sicherheit, Gewissheit und Genuss (1881) auch hierzulande seit vielen Jahrzehnten von den Verlagen der Geschlossenen Brüder (Richard Mohncke, Ernst Paulus, VdHS) verbreitet wird. Cutting blieb 1890 bei Park Street (Raven), ging 1908 mit Glanton und kehrte schließlich doch wieder zu den Raven-Taylor-Brüdern zurück. Die Autorin des Artikels ist eine Urenkelin Cuttings.

Meinen Nachruf auf August Jung habe ich kürzlich hier im Blog wiederveröffentlicht.


Howard Barnes: „William Kelly (1821–1906)“. In: Precious Seed 76 (2021), Heft 2, S. 25.

Kurzes Lebensbild Kellys zum 200. Geburtstag im Mai 2021 (auch online verfügbar).


David Bebbington: „The Place of the Brethren Movement in International Evangelicalism“. In: ders.: The Evangelical Quadrilateral. Volume 2: The Denominational Mosaic of the British Gospel Movement. Waco, TX (Baylor University Press) 2021. S. 277–300.

Wiederabdruck eines Aufsatzes, der bereits 2006 im ersten BAHN-Konferenzband The Growth of the Brethren Movement (S. 241–260) erschien.


John Bennett: „Charles Stanley (1821–1890)“. In: Precious Seed 76 (2021), Heft 4, S. 8f.

Kurzes Lebensbild Stanleys zum 200. Geburtstag im März 2021 (auch online verfügbar).


Fürchtegott Christlieb [Pseudonym]: „Bedingter Gehorsam? Unbedingt! Ein Kommentar zur aktuellen Debatte um das Verhältnis von Christ und Staat“. In: fest und treu 173 (1/2021), S. 5–9.

Im Rahmen seiner Überlegungen zum coronabedingten Singverbot geht der Autor auch auf die Geschichte der „Brüder“ in der NS-Zeit ein (auch online verfügbar).


Neil Dickson: „Hunter Beattie (1876–1951): A Conscientious Objector at the Margins“. In: Scottish Church History 50 (2021), S. 145–163.

Der Evangelist und Homöopath Hunter Beattie lehnte im Ersten Weltkrieg den Kriegsdienst ab und propagierte diesen Standpunkt in einer eigenen Zeitschrift, was zu Konflikten unter den Offenen Brüdern in Glasgow führte.


Bernard Doherty / Steve Knowles: „Plymouth Brethren Christian Church“. In: Critical Dictionary of Apocalyptic and Millenarian Movements. Hrsg. von James Crossley und Alastair Lockhart. Online (15. Januar 2021).

Websites werden in dieser Bibliografie normalerweise nicht berücksichtigt, aber das ambitionierte akademische Projekt Critical Dictionary of Apocalyptic and Millenarian Movements mag hier einmal eine Ausnahme bilden. Der Artikel informiert sachlich und ausführlich über Geschichte, Lehren, Praktiken und Kontroversen der Raven-Taylor-Symington-Hales-Brüder.


Andreas Liese: „1941 eine ‚Gottesstunde‘. Zusammenschluss: Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden“. In: Die Gemeinde [76] (2021), Heft 6, S. 16f.

Kurzer Artikel anlässlich des 80-jährigen Jahrestages der Vereinigung von Brüder- und Baptistengemeinden im BEFG.


Andreas Liese: „‚Einer ist unser Meister, Christus! Ihr aber seid alle Brüder‘ – Zum Gemeindeverständnis von Brüdergemeinden“. In: Gewagt! 500 Jahre Täuferbewegung 1525–2025. Themenjahr 21: gewagt! gemeinsam leben. Hrsg. vom Verein 500 Jahre Täuferbewegung 2025 e.V. Kassel (Oncken / Blessings 4 you) 2021. S. 28f.

Von 2020 bis 2025 wird in einer Veranstaltungsreihe das 500-jährige Bestehen der Täuferbewegung gefeiert, wozu jedes Jahr auch ein umfangreiches „Themenheft“ erscheint. Während das erste Heft auch zum kostenlosen Download bereitsteht, scheint dies beim zweiten Heft, das den obigen Artikel über das Gemeindeverständnis der „Brüder“ enthält, (noch) nicht der Fall zu sein.


Armin Lindenfelser: „Gerhard Tersteegen – ein ‚Großvater‘ der deutschen Brüderbewegung“. In: Zeit & Schrift 24 (2021), Heft 2, S. 28–33; Heft 3, S. 28–33.

Der Autor entwirft ein knappes Porträt Tersteegens und geht der Frage nach, welchen Einfluss er auf die deutsche Brüderbewegung hatte (auch online verfügbar: Teil 1, Teil 2).


Dennis Mackinnon: „Memories of a godly man – the influence of Mr William Trew“. In: Precious Seed 76 (2021), Heft 4, S. 10f.

Erinnerungen an den schottisch-walisischen Evangelisten und Bibellehrer William Trew (1902–1971) (auch online verfügbar).


Christopher R. Mattix: „George Muller“. In: ders.: Heroes. The Titans of History. Aus dem Spanischen. Ohne Ort (Selbstverlag/Amazon) 2021. S. 101–112.

Kurzes populäres Lebensbild Georg Müllers (1805–1898).


Ulrich Neuenhausen: „Die Zeit beurteilen“. In: Offene Türen 113 (2021), Heft 3, S. 9.

Anlässlich der Veröffentlichung von Johannes Warns’ Aufzeichnungen und Erinnerungen (s.o.) reflektiert Neuenhausen in diesem Artikel kurz dessen Haltung zum Nationalsozialismus (auch online verfügbar).


[Joachim Pletsch:] „Leben und Wirken Albert von der Kammers (Kurzbiografie)“. In: Albert von der Kammer: Gott in uns. Wie der Heilige Geist wirkt. Eine biblische Bestandsaufnahme. Dillenburg (Christliche Verlagsgesellschaft) 2021. S. 137–141.

Albert von der Kammer (1860–1951) war nacheinander Baptist, Elberfelder Bruder, Raven-Bruder und (ab Ende 1904) Offener Bruder. Als Mitherausgeber der Handreichungen aus dem Worte Gottes (1913–38) übte er besonders unter Letzteren großen Einfluss aus. Seine 1922 erstmals veröffentlichte Schrift Der Heilige Geist, der in uns wohnt erscheint hier (nach 1964 und 1987) in einer dritten Neuausgabe unter neuem Titel, sprachlich leicht modernisiert und durch eine Kurzbiografie ergänzt.


Michael Tröger / Jürgen Goldnau: „Siegfried Küttler (1930–2020). Ein Nachruf“. In: Zeit & Schrift 24 (2021), Heft 1, S. 30–32.

Siegfried Küttler war der einzige Evangelist der Geschlossenen Brüder in der DDR. Nach der Wende widersetzte er sich den Spaltungstendenzen in dieser Brüdergruppe und geriet dadurch unter Beschuss; seine Heimatversammlung in Wilkau-Haßlau (Sachsen) wurde im November 2002 von den Versammlungen Jena und Reinsdorf „außerhalb der Gemeinschaft gestellt“, sodass Küttler die letzten 18 Jahre seines Lebens „blockfrei“ war. Der Nachruf wurde von seinem Schwiegersohn Michael Tröger und dem Chemnitzer Bruder Jürgen Goldnau verfasst (auch online verfügbar).


Joseph Webster: „Embodied apocalypse: or the native cosmology of late modern social theory“. In: Anthropology & Medicine 28 (2021), S. 13–27.

Der Titel lässt zwar keinen Bezug zur Brüderbewegung erkennen, aber der Aufsatz handelt von der Endzeiterwartung der „Brüder“ in schottischen Fischerdörfern.


Douglas Wertheimer: „A Son and His Father: Edmund Gosse’s Comments and Portraits, 1875–1910“. In: Nineteenth-Century Prose 48 (2021), Heft 1/2, S. 45–92.

Edmund Gosse (1849–1928) war der Sohn des Naturforschers Philip Henry Gosse (1810–1888), der von ca. 1843 bis 1857 den Offenen Brüdern angehörte. Gosse junior schrieb sowohl eine Biografie seines Vaters (The Life of Philip Henry Gosse, 1890) als auch ein sehr bekannt gewordenes Buch über ihre Vater-Sohn-Beziehung (Father and Son, 1907). Die darin geschilderte „engstirnige“ Frömmigkeit seines Vaters prägte lange Zeit das Image der „Plymouth Brethren“ in gebildeten Kreisen – obwohl Gosse in seinem früheren Buch (S. 330) deutlich herausgestellt hatte, dass sein Vater in den letzten 30 Jahren seines Lebens gar nicht mehr den „Brüdern“ angehörte, sondern eine völlig unabhängige Gemeinde leitete. Die Einseitigkeit und Fehlerhaftigkeit von Gosses Darstellungen wird inzwischen auch von Kritikern ohne apologetische Absichten – wie hier Wertheimer – anerkannt.


Für Hinweise auf weitere, von mir übersehene Neuerscheinungen bin ich dankbar!

200. Geburtstag von Charles Stanley

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Charles Stanley (1821–1890)

Heute vor 200 Jahren wurde Charles Stanley, einer der bekanntesten Evangelisten der Geschlossenen Brüder im 19. Jahrhundert, in Laughton-en-le-Morthen bei Rotherham (Nordengland) geboren. Im Brotberuf selbständiger Geschäftsmann, nutzte er seine häufigen Reisen zur Verkündigung des Evangeliums und ließ später auch zahlreiche Traktate drucken, die als „C. S. tracts“ weite Verbreitung fanden. Ab etwa 1880 war er Herausgeber der von Charles Henry Mackintosh gegründeten Zeitschrift Things New and Old.

Über Stanleys Leben liegen online die Kurzbiografie aus Henry Pickerings Chief Men among the Brethren (mit falschem Todesjahr), ein Artikel von John Bjorlie (aus Uplook, 1992), Stanleys autobiografischer Bericht The Way the Lord has Led Me; or, Incidents of Gospel Work sowie Hugh Henry Snells Recollections of the Last Days of Charles Stanley (auch als Faksimile) vor. Das Kapitel über Stanley aus Arend Remmers’ Gedenket eurer Führer scheint – im Gegensatz zu vielen anderen Lebensbildern aus diesem Buch – bisher nicht digitalisiert worden zu sein.

Nachrufe

Welche Bekanntheit Stanley zu Lebzeiten genoss, macht die Presseberichterstattung über seinen Tod und sein Begräbnis deutlich. Am 31. März 1890 brachten der Sheffield Daily Telegraph und der Evening Telegraph & Star gleichlautend folgenden Artikel:

Sheffield Daily Telegraph, 31. März 1890, S. 6

Im Sheffield & Rotherham Independent hieß es am selben Tag:

The Sheffield & Rotherham Independent, 31. März 1890, S. 3

Die Altersangabe 72 ist offensichtlich falsch; das richtige Alter konnten die Leser der Zeitung einen Tag später unter den Familiennachrichten finden:

The Sheffield & Rotherham Independent, 1. April 1890, S. 6

Beisetzung

In großer Ausführlichkeit wurde über Stanleys Beisetzung am 3. April 1890 berichtet; tatsächlich sind zwei der Artikel so lang, dass ich sie nicht als Bilddateien wiedergeben kann, sondern transkribieren musste. Hier zunächst der Bericht des Sheffield Daily Telegraph vom 4. April 1890, S. 7, der auch einige sonst nicht überlieferte Einzelheiten über Stanleys berufliche Tätigkeit enthält:

THE INTERMENT OF MR. CHAS. STANLEY OF ROTHERHAM.

Yesterday the funeral of Mr. Charles Stanley, of Moorgate Grove, Rotherham, took place in the Rotherham Cemetery amid many manifestations of respect. Mr. Stanley died whilst seated at the dinner table on Sunday last. For many years he had carried on the business of an export merchant in Sheffield and Birmingham, and at one time the growth of the Indian trade for general Birmingham goods necessitated his removal from Sheffield to the Midland town. Just over quarter of a century ago Mr. Stanley was offered the sole right of working a French patent brought out by the brother of a great friend of his, and seeing that it could be turned to good account he gradually relinquished the Sheffield and Birmingham businesses. This patent was a new plan for chemically scouring wool, in fact for the extraction of oil or fatty matter from any material, seeds, &c. His son, Mr. C. L. Stanley, joined him at this time, and greatly improved the machinery, which quickened the process, making the business a great success. The works at Wath grew, and are now the largest of the kind in the country. Although Mr. Stanley retired from business ten or eleven years ago, he did not give up work. He laboured hard in other ways. He conducted a religious periodical, was the writer of a very large number of tracts, preached regularly in the meeting-room of the brethren in Moorgate, and had a large correspondence with friends all over the world. In public affairs he never seemed to take any prominent part, but he was nevertheless very widely known. The large attendance at the graveside yesterday was some slight testimony of the loss which has been sustained by his decease. The funeral cortége left the residence in Moorgate Grove at about half-past eleven o’clock, and proceeded to the meeting room in Moorgate, where service was held in the presence of a large congregation. Mr. H. H. Snell, of Sheffield, officiated, and with Dr. Davy, of Sheffield, assisted in the ceremony at the grave. The mourners were: – First carriage: Mr. C. L. Stanley, of Oakwood, Rotherham; Mrs. Stanley, widow; Mr. and Mrs. Thomas Andrews, of Wortley. Second carriage: Mr. and Mrs. W. A. Stanley, of East Farleigh, Kent, and Mr. and Mrs. P. H. C. Chrimes, of Plumtree, Bawtry. Third carriage: Mr. C. H. Stanley, Mrs. C. L. Stanley, Mr. S. H. Burrows, of Sheffield, and Dr. Dyson, of Sheffield. Fourth carriage: Mr. and Mrs. Richard Chrimes and Mr. and Mrs. J. Kay. Fifth carriage: Mr. J. H. Burrows, of Sheffield; Mr. Fred. Elgar, of Rochester; Mr. H. H. Snell, of Sheffield; and Dr. Oxley, the deceased gentleman’s medical attendant. Sixth carriage: Dr. Davy and family, of Sheffield. Seventh carriage: Mr. Charles E. Chrimes and family. The private carriages brought into requisition were those of the deceased gentleman, Mr. C. L. Stanley, Mr. P. H. C. Chrimes, Mr. R. Chrimes, Mr. S. H. Burrows, and Dr. Davy. Amongst those attending the funeral were Mr. P. H. Stanley, Mr. E. Stanley, Miss Stanley, the Misses Lillian, Beatrice, and Irene Stanley, Mr. Thomas Barker (Otley), Dr. Snell (Sheffield), Mr. Moore, Mr. Hardy, Mr. Loveridge (Harrogate), Mr. Cutting (Derby), Mr. C. Spink (Chiselhurst), Mr. A. Mace (London), Mr. G. Morrish (London), Mr. J. Morrish (London), Mr. Sharpley (Sheffield), Mr. Brammer (Sheffield), Mr. Bowen (Ollerenshaw Hall), Mr. P. B. Coward, Mr. E. G. Cox, Mr. F. L. Harrop, Mr. H. Bray, Dr. Branson, Mr. F. Myers, Mr. J. S. Ward, Mr. J. Dickinson, Mr. J. M. Horsfield, Mr. H. Leedham, Mr. W. H. Sheldon, Mr. J. Hudson, Mr. J. Rodgers, Mr. Joseph France, Dr. Wolston (Nottingham), Mr. J. M. Radcliffe, Mr. J. Gillett, Mr. O. Fox, Mr. Pontis, and many other friends. The coffin, which was of polished oak with brass mountings, had placed upon it beautiful wreaths sent by grandchildren – Irene and Harry Cecil Stanley, of Oakwood. The interment was in the family vault. Mr. W. Arnett, of Rotherham, had charge of the funeral arrangements, and Mr. J. Hutchinson was the undertaker.

Weniger Informationen über Stanleys Leben, aber dafür noch mehr Details über die Beisetzung lieferte der Bericht des Sheffield & Rotherham Independent vom 4. April 1890, S. 6:

INTERMENT OF THE LATE MR. C. STANLEY, OF ROTHERHAM.

Yesterday afternoon the remains of Mr. Charles Stanley, of Moorgate Grove, who died suddenly on Sunday, were interred at the General Cemetery, Rotherham. The deceased gentleman was greatly respected by the members of the denomination of Christians known as “The Brethren,” and his local philanthropy and consistency of life had gained for him the esteem and regard of his neighbours. The attendance at the funeral was therefore large, and included many from distant parts of the country with whom the deceased gentleman had been connected in various ways, amongst them being gentlemen of distinction in the religious denomination to which the deceased belonged. The funeral procession left Moorgate Grove about noon. Preceding the hearse were about forty workmen from the oil and silver refineries at Wath. The coffin, which had been supplied by Mr. James Hutchinson, was of polished oak with brass mountings, and bore the inscription, “Char[l]es Stanley, born March 10, 1821; died March 30, 1890.” The mourning carriages contained the following relatives: – First carriage, Mr. C. L. Stanley, Mrs. Stanley, Mr. Andrews, and Mrs. Andrews, of Wortley; second carriage, Mr. and Mrs. W. Stanley, East Farleigh, Maidstone, Kent; Mr. P. H. C. Chrimes and Mr. H. Chrimes; third carriage, Mrs. Luther Stanley, Mr. Charles Stanley, Mr. L. Burrows[,] Sheffield, and Dr. Dyson, Sheffield; fourth carriage, Mr. J. H. Burrows, Mr. Farr, Mr. H. H. Snell, Sheffield; Mr. Elgar, Maidstone, Kent; fifth carriage, Mr. and Mrs. Chrimes, Mr. and Mrs. Kay. The carriages following were those of Mr. Stanley, Mr. Hy. Chrimes, Mr. Luther Stanley, Mr. S. H. Burrows, and Dr. Davy. The cortege proceeded to the church of the Brethren, Moorgate, and this being the first service of the kind held in the building, there was a large attendance, every seat being occupied, and many persons unable to obtain admission. Among those present were Captain Thompson, Bedford ; Mr. C. Spink, London; Mr. Walsh, Bedford; Mr. George Cutting, Derby; Dr. Snell, Sheffield; Mr. F. Smith, Hoyland; Mr. Doughty, Barnsley; Mr. Bowen, Whaley Bridge; Mr. Heighway, Manchester; Mr. Young, Hull; Mr. Garbutt, Driffield; Mr. T. Barker[,] Otley; Mr. Oglesby and Mr. Springthorpe, Barnsley; Mr. Hardy, Mr. Moore, Mr. Loveridge, and Mr. Mace, Harrogate; Mr. Ramsden, Carlton Hall; Mr. F. C. Harrop, Swinton; Mr. T. Bramah and Mr. C. J. Bramah, Clifton; Dr. Davy, Mr. R. Jardine, Mr. R. Brown, Mr. J. Dalton, and Mr. M. Harrison, Sheffield; Dr. Oxley, Dr. Branson, and Messrs. P. B. Coward, J. M. Radcliffe, H. Bray, J. S. Ward, F. J. Myers, W. H. Sheldon, J. France, J. Rodgers, J. Dickinson, T. Horsfield, Dawson, Marcroft, Pontis, &c., Rotherham. The service was conducted by Dr. H. H. Snell, Sheffield, who offered prayer, and then selected the words, “He is Lord of all,” from Acts, x., 36, upon which he delivered a discourse. He remarked that he did not suppose he could select any words in the whole compass of the Scriptures more comprehensive, more solemn, or more personal to every one that day. He dwelt on how Christ came to be Lord over all, and the fact that all things were subjected to Him. He created everything, and had a right by reason of His deity, His eternal Godhead, to everything. He pointed out how that Christ died, rose, and revived to the end that he might be Lord both of the dead and the living. He did not think that was the time and place to say much of the departure of their brother. He himself felt bereaved. He was not using the word without meaning, for personally he felt bereaved. Through God’s mercy for more than twenty years he had been in happy Christian fellowship with the deceased, for the most part in fellowship beyond that which usually existed between men. The last occasion they met together was he thought the happiest they had ever had, and he could only say to them, as brethren and sisters in Christ, that they would be happy in eternity. Let them therefore own God together, and God would take and keep them. He believed none of them were yet sensible of the loss they had sustained, but they had confidence in the confidence their departed brother had in Christ, and he believed that he was lifted up where they would see him again. They would take and deposit the body in the grave feeling that the spirit had gone to the Lord himself who was Lord of all, of the dead and the living. A hymn was then sung and prayer was offered by Mr. Harrison, and the service ended. The procession was re-formed, there being about 300 persons preceding the hearse, and at the cemetery the coffin was lowered into the family vault, and prayer was offered by Dr. H. H. Snell and Dr. Davy. Two of the children of Mr. Luther Stanley placed beautiful wreaths at the entrance, and the sad ceremony terminated. Mr. Arnett was the undertaker, and Mr. J. Moorhouse supplied the hearse and mourning coaches.

Der Leeds Mercury fasste sich kürzer, wusste aber noch einige neue Einzelheiten zu berichten (auch wenn er sich im Blick auf Stanleys Gemeindezugehörigkeit nicht sonderlich gut informiert zeigte):

The Leeds Mercury, 4. April 1890, S. 8

Nachlass

Wie erfolgreich Stanley als Geschäftsmann gewesen war, zeigt sein Eintrag im National Probate Calendar:


Das angegebene persönliche Vermögen von £ 20.448 6s. 11d. entspricht nach heutiger Kaufkraft mindestens 2,258 Millionen Pfund (= ca. 2,635 Millionen Euro).